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An dir ist ein Junge verloren gegangen...
 

.... das war der Leitspruch meiner Kindheit. Ich war ein wildes, lebhaftes Mädchen, das immer alles austesten musste. Wie weit konnte ich in den Bach hineingehen, ohne dass das Wasser in die Gummistiefel schwappte? Warum hatte nur ich immer nasse Füße? Wie hoch konnte man auf den Baum klettern? Warum kamen meine Freundinnen nicht so hoch mit? Glücklicherweise habe ich mich beim Runterfallen nie ernsthaft verletzt. Wer traute sich über das Wehr zu balancieren? Wer konnte den schwersten Stein heben? Was konnte man doch für tolle Sachen finden auf der Sperrmüllkippe am Rande des Dorfes. Warum war das meinen Freundinnen zu eklig? Warum hatten meine Eltern so gar kein Verständnis dafür, wenn ich all die tollen Dinge mit nach Hause brachte?

Ich spielte am liebsten mit Jungen. Wir rauften, fuhren Rad, kämpften mit Stöcken. Wegen meiner Löcher im Kopf war ich Stammgast zum Nähen beim Kinderarzt. Wir warfen mit Steinen, spuckten Kirschkerne, fuhren Rollschuhe, ich probierte ob man Kastanien essen kann. Wieso auf die Erwachsenen hören, die sagen, dass sie giftig sind? Ich hatte eine gute Freundin, wir verstanden uns prima. Sie war genauso wild und mutig wie ich. Sie hatte vier Brüder, da fiel es nicht so auf. Ihre Schwester war das liebe vernünftige Mädchen, so sollten wir auch werden. Das sagte man uns immer.

Den Kindergarten hasste ich. Drohend stand der Eimer mit den Rohrstöcken auf einem Schrank im Gruppenraum. Warum war ich das einzige Mädchen, das ihn fürchtete? Konnten die anderen sich eigentlich vorstellen, wie blamiert man sich fühlt, wenn man vor der ganzen Gruppe mit dem Rohrstock geschlagen wird? Einige Jungen schon. Ihnen ging es wie mir.

Wir sollten Mittagschlafen. Ich konnte nicht schlafen, ich wollte rennen, ich wollte in den Garten. Wir mussten schlafen. Eines Tages bekamen wir neue Bildchen in die Fächer mit unserem Bettzeug. Ich fand das spannend, wollte zugucken. Ich sollte schlafen, die anderen haben ja auch geschlafen. Ich konnte nicht schlafen. Ich war neugierig, wollte nichts verpassen. Dann kam Tante Erna an mein Bett, ich wusste, was das heißt. Als der Mittagsschlaf zu Ende war holte sie mich aus meinem Bett. Sie nahm mich an die Hand und ging mit mir an den Schrank mit den Rohrstöcken...

Alle versuchten mich passend zu machen. Ich sollte lernen ein Mädchen zu werden. Ich sollte sittsam, bescheiden und rein werden, so lehrte meine Mutter mich zu beten, jeden Abend. "An dir ist ein Junge verloren gegangen!"

Mit meiner Freundin fühlte ich mich wohl. Wir streiften durch das Wäldchen, warfen Steine in dem Main, fingen Käfer und Regenwürmer, die wir fütterten, bauten uns eine kleine Holzhütte, in der wir oft saßen und stiefelten durch die Sperrmüllkippe, wo wir jedem Berg einen Namen gaben und so unsere Geheimsprache hatten.

Die Lehrerin in der Schule mochte mich nicht. Sie konnte meine wilde Art nicht leiden. “So benimmt sich doch kein Mädchen!” Ich konnte nicht stillsitzen. Ich wollte mit meiner Nachbarin schwätzen. Ich musste ihr doch alles erzählen, was mir so einfiel. Im Klassenraum gab es eine Ecke, in die musste man sich stellen um sich zu schämen. Ich kannte die Ecke gut. Man musste sich mit dem Gesicht zur Wand stellen. Man musste die Hände vor das Gesicht halten. Ich habe mich geschämt. Aber ich habe nichts verstanden. Ich hasste die Lehrerin.

Mein Vater fand seine wilde Tochter gut. Er konnte sie mit in die Werkstatt nehmen, ihr alle Werkzeuge erklären. Ich arbeitete gerne mit ihm. Ich hatte keine Angst vor dem Lärm, ich hatte keine Angst mich schmutzig zu machen. Er baute mit mir Puppenmöbel, ein Vogelhäuschen und vieles andere. Er ließ mich hämmern und nageln, sägen, hobeln und streichen. Ich habe oft mitten im Sägemehl und der Sägespäne auf einem Schemel gesessen und ihm zugeschaut.

Eine Freundin musste am Ende der ersten Klasse zur Sonderschule wechseln. Meine Mutter verbot mir mit ihr zu spielen. Mit jemandem von der Sonderschule hat man doch keinen Kontakt. Wir trafen uns bis zur sechsten Klasse - heimlich. Dann haben wir uns aus den Augen verloren. Mein Vater wusste, dass ich bei dieser Lehrerin nicht bleiben kann. Er ließ mich die Klasse wechseln. Ich kam zu einem jungen Lehrer. Er mochte meine neugierige und wissbegierige Art. Ich mochte ihn. Aber auch bei ihm konnte ich nicht stillsitzen. Und es kränkte mich sehr, dass ich bei ihm nicht im Chor mitsingen durfte, weil ich zu viel störte.

In der 3. und 4. Klasse hatten wir Handarbeiten. Häkeln und Stricken. Die Jungen hatten Werken. Das durften wir Mädchen nicht. Warum konnte ich nicht als Junge auf die Welt kommen? Wir sollten einen Schal häkeln. Immer das gleiche. Durchstechen, Faden um die Nadel, durchziehen. Durchstechen, Faden um die Nadel, durchziehen. Es war langweilig. Und man musste dabei sitzen bleiben. Ich wollte es schnell hinter mich bringen, fertig werden. Ich vergaß dabei immer die letzte Masche in der Reihe. Die Reihen wurden immer kürzer, es ging immer schneller. Dann kam die Lehrerin. Schaute mit prüfendem Blick. Sie zog alles wieder auf. Noch mal machen, es muss ordentlich sein. Ich versuchte mir Mühe zu geben, ich schaffte es nicht. Ich wurde nie fertig. Zum Glück haben meine Mutter und meine Oma die Sachen immer fertig gemacht. Meine Mutter war ganz verzweifelt über ihre Tochter. Sie würde nie lernen ein Mädchen zu werden.

Ich wollte Tierärztin werden. Ich liebte Tiere und wollte ihnen helfen. Ich wusste, dafür muss ich zum Gymnasium gehen. Mein Vater erlaubte es mir, das war für ein Mädchen etwas besonderes. Das Gymnasium war in der nächsten Stadt. Morgens fuhr ein Schulbus. Nur einer. Den musste ich kriegen. Mein Vater brüllte mich oft an, ich solle mich endlich beeilen. Jeden Morgen rannte ich zum Bus. Öfter kam ich wieder zurück, mein Vater musste mich zur Schule fahren. Er fluchte, er drohte mir, dass ich nicht weiter zum Gymnasium gehen darf, wenn ich nicht lerne mich rechtzeitig fertig zu machen. Ich habe es bis heute nicht gelernt. Ab der siebten Klasse fuhr ich die zwölf Kilometer mit dem Fahrrad zur Schule. Das konnte mir wenigstens nicht wegfahren.

Die Ferien verbrachte ich fast immer bei meinen Großeltern. Sie hatten einen Bauernhof. Da fühlte ich mich wohl. Tiere füttern, durch die Felder streifen, Blumen pflücken, bei der Ernte helfen, im Heu herumtollen. Ich hatte keine Angst. Kletterte im Heuschober bis ganz nach oben, bis in den hintersten Winkel um die Katze mit ihren Jungen zu finden. Meine Cousinen trauten sich nicht, sie waren vernünftig. Mein Opa wollte, dass die Katzen nicht gestört werden. Ich durfte Traktor fahren, Heu aufgabeln, Dickwurz mühlen, Getreide ins Gebläse werfen, Kälbchen füttern, mich über die Wiese rollen, mich schmutzig machen, toben, lachen, fröhlich sein.

Meine Freundinnen und ich mussten unseren Müttern viel helfen. Spülen und abtrocknen, Früchte und Gemüse im Garten ernten, schälen, schneiden und einkochen. Ich half meiner Freundin und ihrer Mutter Marmelade einzukochen. Es war alles vorbereitet. Der große Einkochtopf voller Früchte und Zucker stand auf dem Herd. Meine Aufgabe war zu rühren und die kochende Masse zu beaufsichtigen, dass sie nicht aufschäumte und überkochte. Es dauerte ewig. Plötzlich lief die Marmelade über den Herd und an allen Seiten herunter. Ich hatte doch nur einen winzigen Moment nicht aufgepasst - dachte ich. "Du bist zu nichts zu gebrauchen", sagte mir die Mutter meiner Freundin. Stundenlang putzten wir, bis die klebrige Masse einigermaßen aufgeputzt war. Ich durfte dort nie mehr helfen. Wenn ich fragte, hieß es: "Scher dich weg, du bist doch zu nichts zu gebrauchen."

Genau zu arbeiten, ja, das war immer ein Problem. In Geometrie sollten wir genau zeichnen. War es nicht zu erkennen, dass ich ein Rechteck gezeichnet habe, auch wenn die Ecken nicht ganz gerade waren? War es nicht egal, ob der Winkel 70 oder 72 Grad hatte? Mussten diese blöden Linien immer mit dem Lineal gezogen werden? Reicht es nicht, dass der Lehrer weiß, dass ich es geübt habe und er sieht was ich meine? Muss es dann auch noch genau sein? Dafür war und bin ich bis heute viel zu ungeduldig. Alles muss schnell gehen, fertig werden. Nicht länger Zeit brauchen, als unbedingt notwendig. Sonst wird es langweilig. Und langweilige Sachen kann ich nicht machen.

Ich wollte Klavier spielen lernen. Für Akkordeonstunden reichte das Geld. Es machte mir Spaß zu spielen, zu klimpern, Stücke zu erfinden. Noten lernen? Täglich üben, so wie es der Lehrer verlangte? Das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich wollte schnell wieder aufhören. "Du hälst durch, was du angefangen hast", sagte meine Mutter. "Du musst immer alles anfangen und kannst nichts fertigmachen", ja, das hörte ich oft. Wir bekamen häufig Noten auf das was wir üben sollten. Ich hasste die Vieren und Fünfen, die mir mein Akkordeonlehrer ins Notenbuch schrieb. Wie soll man ein Stück noch üben, wenn darüber solch eine Note steht? Wer nicht ordentlich geübt hatte durfte das Stück nicht mitspielen in der Stunde. So saß ich oft da. Manchmal bekamen wir in der Stunde Noten für ein neues Stück. Das sollten wir in der Stunde üben, jeder für sich. Am Ende der Stunde mussten wir dann vorspielen. Jetzt bekam ich meistens eine Eins. Diese Stunden liebte ich, dann liebte ich meinen Lehrer. "Siehst du, wenn du nur regelmäßig üben würdest, dann könntest du im Orchester mitspielen", sagte der Lehrer. Ja, das hätte ich gerne, wenn das Üben nicht wäre.

"Räume dein Zimmer auf", sagte meine Mutter jeden Samstag zu mir. Meistens sagte sie aber Saustall. Ich räumte ja auf, aber wohin mit all meinen Sachen? Ich nahm meine Steine in die Hand. Meine Mutter will, dass ich sie wegwerfe. Und meine Tierbilder? Die Wände hängen schon voll, kein Platz mehr. Und den Korb vom Sperrmüll? Da sind noch meine Stöcke, meine gebastelten Sachen, die Dinge, die ich aufheben will. Das kann ich doch nicht wegwerfen. Mein Schulzeug fliegt darum. Na und. Blöde Schule. Nachmittags kommt mein Vater ins Zimmer. "Du hast deinen Saustall ja immer noch nicht aufgeräumt". Er schaut in den Schreibtisch, nimmt die Schubladen und schüttet alles aus dem Fenster. Das geht nun schon über ein Jahr so. Heulend hole ich meine Sachen wieder rein. Einiges ist kaputt gegangen. Ich versuche ja aufzuräumen, aber wie soll das gehen?

Wir wollten umziehen. Ich war 13 Jahre. "Wenn du dich nicht besserst, dann stecken wir dich in ein Erziehungsheim", sagte meine Mutter. Ich versuche mich zu bessern. Ich laufe nicht mehr so oft fort von zu Hause. Ich versuche besser auf meine Mutter zu hören. Ich versuche nicht mehr so frech zu sein. Ich will mit umziehen. Wir ziehen in den Ort, in dem meine Oma wohnt. "Ich will mich dort nicht auch überall mit dir blamieren", sagt meine Mutter. Ich verspreche ihr vernünftig zu werden. Ich darf mit umziehen. Bis dahin hat meine Mutter schon mehrere Kochlöffel auf mir kaputt geschlagen. Mein Vater nahm den Schlappen oder den Gürtel um aus mir einen ordentlichen Menschen zu machen.

Ich gehe nun in eine neue Schule. In der Gesamtschule ist es leichter als im Gymnasium, dort hätte ich es auch nicht länger geschafft, wäre wahrscheinlich rausgeflogen. Ich konnte neu beginnen. Nach der Schule ging ich immer zu meiner Oma. Meiner Mutter gab ich einen Stundenplan, auf dem noch Stunden eingetragen waren. Bei meiner Oma fühlte ich mich wohl. Sie akzeptierte meine Freundin. Sie war überhaupt ein sehr aufgeschlossener Mensch. Mit ihr konnte ich reden, sie verriet meiner Mutter nichts. Meine Oma sagte: "Wir verstehen uns, wir sind beide so narrische Hinkel."

Doch in dem Ort kannten viele meine Mutter und so bekam sie irgendwann mit, dass ich eigentlich keine Schule mehr hatte. Sie verbot mir zu meiner Oma zu gehen. Je mehr ich versuchte auszubrechen, desto enger wurde der Käfig.

Ich hatte wie früher auch fast keine Freundinnen, ich war wieder nur mit Jungs zusammen. Mit ihnen konnte ich toben, Unsinn machen, scherzen. Mein Ruf im Ort war bald ruiniert. Meine Mutter bereute, dass sie mich mitgenommen hat. Sie hätte mich doch ins Erziehungsheim geben sollen. Auch in der Schule brach ich immer mehr aus. Mir waren die Klassen zu eng, zu viele Leute auf zu engem Raum. Ich konnte mich nicht konzentrieren, konnte nicht dem Unterricht folgen. All die Geräusche, mir brummte der Kopf. Ich begann zu schwänzen.

Ich hatte das Gefühl, dass keiner auf der Welt mich mag, wie ich bin. Jeder hatte an mir was auszusetzen. Alle wussten was ich bin, dumm, faul, träge, jemand, der nichts zu Ende bringt, der keine Sache so erledigen kann, wie man das erwartete. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nicht mehr leben. Ich schrieb Abschiedsbriefe. Ich ging auf den obersten Balkon des Hochhauses.

In unserem Ort gab es eine christliche Jugendgruppe. Ich kannte die Leute schon eine Weile. Ich ging zu dieser Gruppe und erzählte. Sie nahmen mich in den Arm. Heiko, ein Mitglied holte mich für ein halbes Jahr jeden Mittag von der Schule ab und wir erzählten. Ich weiß nicht, ob ich sonst noch diesen Bericht schreiben könnte. In dieser Gruppe fand ich Stütze und Rückhalt.

Es ging mir besser. Ich machte die Schule zu Ende, zog von zu Hause aus, machte eine Ausbildung. Ich dachte, jetzt ändert sich alles, doch die Probleme blieben. Ich kam fast jeden Morgen zu spät. Hier kannst du noch was wegräumen, die Zeit reicht noch, um schnell ein Brot anzusetzen, ach, ich könnte ja noch mal in die Zeitung gucken.... Es fiel mir immer noch was ein. Plötzlich war es fünf Minuten vor Ausbildungsbeginn und ich musste rennen.

Viele Dinge interessierten mich, ich nahm sie hervorragend auf, brauchte fast nichts zu lernen. Andere Fächer, Recht, Hygiene, EDV, waren die reinste Qual. Ich konnte mich nicht zwingen aufzupassen. Ich konnte es zu Hause nicht lernen. Es blieb nicht in meinem Kopf. Erst kurz vor der Prüfung, da ging es, da konnte ich auch diese Sachen lernen, aber nach der Prüfung wusste ich nichts mehr.

Mein erstes Kind wurde geboren. Neugierig und interessiert, aber ständig geschrieen und wenig geschlafen. Er war quirlig, wild, das richtige Kind für solch eine lebhafte Mutti. Er kam in den Kindergarten, die Schule. Er hatte die gleichen Schwierigkeiten wie ich. Ich hatte das Gefühl, meine Kindheit würde sich wiederholen. Ich fragte mich : "Warum musste mein so geliebtes Kind all meine Fehler erben?" In der Erziehungsberatung sagte man mir, dass ich Schuld bin, dass es meinem Kind so schlecht geht.

Wäre es für das Kind dann nicht besser, wenn es keine Mutter mehr hat? Kann es nicht besser leben, wenn seine Mutter nicht so ein Unglück über es bringt? Kann mein Kind glücklicher werden, wenn ich nicht mehr da bin? Dass es glücklich wird, wollte ich doch.

Ich kam zu dem Schluss, dass es so ist. Mein Kind ist besser dran, wenn ich ihm nicht sein Leben zerstöre. Die Leute früher hatten doch Recht. Ich kann nichts. Ich bin dumm, faul, zu blöde mein Kind glücklich zu machen.

Die Erziehungsberaterin brachte mich ganz schnell in einer Therapie unter. Ein paar Jahre später wurde mein Kind als hyperaktiv diagnostiziert. Die Therapeutin sagte mir, dass ich auch hyperaktiv bin und schickte mich zu einem Arzt. Ich war 36 Jahre.

Ich bekam Amphetaminsaft und ging weiter zur Therapie. Plötzlich sortierte sich mein Leben. Ich begriff, warum ich immer so lebhaft war wie ein Junge. Ich begriff, dass ich nicht Ordnung halten kann, weil ich wegen meines ADS ein Messie bin, ich kann es aber lernen. Ich begriff, dass meine Eltern sich hilflos und überfordert fühlten. Ich begriff, dass meine Oma wahrscheinlich selbst ADS hatte und mich deshalb so gut verstand. Ich begriff, warum ich Dinge, die mich langweilen nicht lernen oder machen kann. Ich bemerkte aber auch, dass für Dinge, die mich interessieren, ich kaum zu lernen brauche, weil ich sie so nebenher mitnehme. Ich lernte auf das zu schauen, was ich gut kann, ich lernte meine handwerklichen Fähigkeiten zu schätzen. Ich begriff, dass ordentliches Arbeiten, was ich in der Schule so hasste auch wichtig ist und zwinge mich heute dazu, wo es notwendig ist. Ich lernte meine Schwierigkeiten und meine Fähigkeiten einzuordnen. Ich habe mich zum größten Teil mit meiner Kindheit ausgesöhnt. Heute brauche ich das Medikament nicht mehr. Mir wurde ein neues Leben geschenkt. Ein Leben, das immer noch recht depressive Tage für mich bereithalten kann, aber in dem der Sonnenschein überwiegt.

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