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ADS - Hyperaktivität

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25 Tipps für eine gelungene Partnerschaft
aus dem Buch: Hallowell/Ratey: Zwanghaft zerstreut.

Die folgenden Faustregeln und «Tipps» können vielleicht bei der Lösung anderer Probleme helfen, vor denen ein Paar steht, dessen eine Hälfte ADD hat. Sie bieten einen Ausgangspunkt für Gespräche zwischen den Partnern. Und man nutzt sie am besten, wenn man sie sich gegenseitig laut vorliest. Machen Sie nach jedem Ratschlag eine Pause und sprechen Sie darüber, ob er Ihnen vielleicht helfen kann. Dabei können Sie allmählich Ihre eigene Art entwickeln, mit der ADD in Ihrer Beziehung umzugehen. Die Schlüssel zu all dem sind, wie das bei den meisten Problemen der Fall ist, eine verbesserte Kommunikation und die Beilegung des Machtkampfes.

1.  Sorgen Sie dafür, dass Sie eine gesicherte Diagnose bekommen. Es gibt viele Zustandsbilder, die aussehen wie ADD, angefangen von übermäßigem Kaffeegenuss über Angstzustände, Charakterneurosen bis hin zur Schilddrüsenüberfunktion. Bevor Sie mit der Behandlung einer ADD beginnen, beraten Sie sich mit Ihrem Arzt, ob das, was Sie haben, auch wirklich eine ADD ist und nicht irgend etwas anderes. Sobald Sie sich der Diagnose sicher sind, bringen Sie soviel wie möglich über ADD in Erfahrung. Es gibt eine große, ständig wachsende Zahl von Veröffentlichungen zu dem Thema. Je mehr Sie und Ihr Partner darüber wissen, desto besser werden Sie einander helfen können. Der erste Schritt bei der Behandlung einer ADD — ganz gleich, ob nun Ihr Partner oder irgend jemand anders an der Störung leidet — ist Information.

2.  Bewahren Sie sich Ihren Humor, eine ADD kann manchmal wirklich komisch sein. Lassen Sie keine Gelegenheit zu lachen verstreichen! An den uns allen so bekannten seelischen Kreuzwegen, wo uns nur der Bruchteil einer Sekunde davon trennt, entweder verrückt zu werden oder in Tränen auszubrechen oder laut herauszulachen, entscheiden Sie sich für das Lachen. Humor ist einer der Schlüssel zu einem glücklichen Leben mit ADD.

3.  Schließen Sie einen Waffenstillstand. Nachdem Sie über die Diagnose informiert worden sind und einiges darüber gelesen haben, atmen Sie tief durch und schwenken die weiße Fahne. Sie brauchen jetzt beide eine Verschnaufpause, um Ihre Beziehung allmählich auf eine neue Basis zu stellen. Sie haben vielleicht das Bedürfnis, eine Menge aufgestaute schlechte Gefühle zu ventilieren. Tun Sie das, dann werden Sie sie nicht überall mit sich herumschleppen.

4. Setzen Sie eine Zeit für Zwiegespräche fest. Sie werden Zeit brauchen, um miteinander über ADD zu reden — was ADD ist, in welcher Weise sie sich auf Ihre Beziehung auswirkt, wie jeder für sich damit umgehen will, wie jeder für sich die Sache sieht. Tun Sie das nicht zwischen Tür und Angel, das heißt zwischen den Werbespots im Fernsehen, beim Geschirrabtrocknen, zwischen Telefongesprächen und so weiter. Setzen Sie eine Zeit fest, die Sie ganz alleine für sich reservieren.

5.  Nehmen Sie kein Blatt vor den Mund. Sagen Sie einander, was Sie auf dem Herzen haben. Die Auswirkungen der ADD zeigen sich bei jedem Paar in anderer Form. Sprechen Sie miteinander darüber, wie sie sich bei Ihnen zeigen. Sagen Sie sich gegenseitig, was Sie verrückt macht, was Sie mögen, was Sie ändern wollen, was so bleiben soll, wie es ist. Versuchen Sie alles auszusprechen, bevor Sie anfangen zu reagieren. Menschen mit ADD neigen dazu, Gespräche abzukürzen, alles gleich auf den wesentlichen Punkt zu bringen. In diesem Fall ist der wesentliche Punkt das Gespräch als solches.

6.  Schreiben Sie Ihre Beschwerden und Änderungsvorschläge auf. Es ist gut, schriftlich zu haben, was Sie ändern und was Sie bewahren wollen. Sonst vergessen Sie es am Ende.

7.  Machen Sie einen Behandlungsplan. Veranstalten Sie mit Ihrem Partner ein Brainstorming darüber, wie Sie Ihre Ziele erreichen können. Sie haben vielleicht das Bedürfnis, diesen Schritt nicht ohne fachlichen Rat zu tun, es empfiehlt sich jedoch, diesen Schritt zunächst allein zu versuchen.

8.  Ziehen Sie den Plan durch. Bedenken Sie, eines der Hauptmerkmale der ADD ist das Unvermögen, bei der Stange zu bleiben, deshalb müssen Sie sich Mühe geben, an Ihrem Plan festzuhalten.

9.  Machen Sie Listen. Listen werden Ihnen mit der Zeit zur Gewohnheit werden.

10.  Benutzen Sie eine Pinnwand. Schriftliche Mitteilungen werden weniger leicht vergessen. Sie müssen sich natürlich mit der Zeit angewöhnen, einen Blick auf die Pinnwand zu werfen.

11.  Legen Sie Notizblöcke an strategisch wichtige Plätze, wie zum Beispiel Ihr Bett, Ihr Auto, Ihr Badezimmer, Ihre Küche.

12.  Es empfiehlt sich, die Wünsche, die Sie an Ihren Partner haben. aufzuschreiben und Sie ihm oder ihr täglich in Form einer Liste zu geben. Das muss mit der Absicht zu helfen geschehen und nicht mit

der Absicht, den anderen zu tyrannisieren. Führen Sie eine gemeinsame Agenda. Achten Sie darauf, dass jeder von Ihnen beiden täglich hineinsieht.

13.  Betrachten Sie Ihr Sexualleben im Licht der ADD. Wie bereits vorher erwähnt, beeinträchtigt eine ADD unter Umständen das Interesse am Sex und die sexuelle Leistungsbereitschaft. Es tut gut zu wissen, dass die Probleme von einer ADD und nicht von irgendetwas anderem herrühren.

14.  Vermeiden Sie das Schlampen-Aufräumen-Muster. Sie wollen doch nicht, dass der Partner ohne ADD den Partner mit ADD dadurch, dass er ständig hinter ihm herräumt, ihn gleicher Weise «aktiviert», wie der nichttrinkende Ehepartner unter Umständen den trinkenden Ehepartner «aktiviert», indem er ihm ständig beim Vertuschen hilft.

15.   Vermeiden Sie das Meckern-Abschalten-Muster. Sie wollen doch nicht, dass der Partner ohne ADD für alle Zeiten dauernd am Partner mit ADD herumnörgelt, dass er präsent sein, sich konzentrieren oder hinter der Zeitung hervorkommen soll. Menschen mit ADD brauchen häufig jeden Tag eine gewisse «Abschaltzeit», um ihre Batterien wieder aufzuladen. Es ist besser, sich auf diese Zeit im voraus zu verständigen und Sie freizuhalten, statt sich jedes Mal, wenn es soweit ist, darüber von neuem zu streiten.

16. Vermeiden Sie das Opfer-Peiniger-Muster. Sie wollen doch nicht, dass der Partner mit ADD als hilfloses Opfer in der Gewalt eines alles beherrschenden Lebensgefährten ohne ADD dasteht. Diese Dynamik kann sich leicht entwickeln, wenn Sie nicht aufpassen. Der ADD-Kranke braucht Beistand und Ordnungsschemata. Der gesunde Partner versucht ihm das zu geben. Solange keine vollkommene Einigkeit darüber herrscht, was Sache ist, sehen Beistand und Ordnungsschemata unter Umständen aus wie Kontrolle und Nörgelei.

17. Vermeiden Sie das Sklavenhalter-Sklaven-Muster. Eine Folge von Nr. 16. Es kommt allerdings komischerweise häufig vor, dass sich der Partner ohne ADD als Sklave der ADD seines Lebensgefährten fühlt. Der Partner ohne ADD spürt unter Umständen, dass die ADD-Symptome die Beziehung kaputtmachen, indem Sie sich wie Fangarme um sie legen und Tag für Tag das zerstören, was eine liebevolle Verbindung sein konnte und auch mal gewesen ist.

18.  Vermeiden Sie es, das Muster des sadomasochistischen Kampfes zu Ihrer alltäglichen Umgangsform zu machen. Vor der ärztlichen Diagnose und Intervention verbringen viele Paare, die es mit einer ADD zu tun haben, die meiste Zeit damit, sich gegenseitig anzugreifen. Man hofft, darüber hinaus und in den Bereich einer Problemlösungen zu kommen. Hüten Sie sich vor dem heimlichen Vergnügen, das man in der Auseinandersetzung finden kann. ADD kann einen zur Verzweiflung bringen, deshalb macht es Ihnen unter Umständen Freude, Ihren Lebensgefährten dadurch zu bestrafen, dass Sie sich mit ihm streiten. Lassen Sie Ihren Ärger an der Störung aus und nicht an der Person. Sagen Sie: «Ich hasse ADD« statt «Ich hasse dich» oder: «ADD macht mich ganz verrückt» statt: «Du machst mich ganz verrückt».

19.  Seien Sie ganz allgemein auf der Hut vor der Dynamik einer Herrschaft, der Dominanz und der Unterwerfung, die in den meisten Beziehungen unterschwellig lauert, gar nicht zu reden Von der Beziehungen, in denen eine ADD mit im Spiel ist. Bemühen Sie sich in diesem Punkt beiderseits um größtmögliche Klarheit, damit Sie sich bei Ihren Anstrengungen nicht in Richtung Konkurrenzkampf, sondern in Richtung Kooperation bewegen.

20. Stoppen Sie das Tonband des Negativismus. Viele Erwachsene mit ADD haben sich im Laufe langer Zeit eine reisignative Haltung zugelegt nach dem Motto «Für mich gibt es keine Hoffnung». Genauso kann es beiden Partnern in einer Paarbeziehung ergehen. Wie in diesem Buch noch häufiger zu erwähnen sein wird, ist negatives Denken die zerstörerischste Kraft bei der Behandlung der ADD. Was ich das «Tonband des Negativismus’» nenne, kann erbarmungslos, unversöhnlich und ohne Ende im Kopf eines Menschen mit ADD laufen. Es ist, als ob es beim ersten Sonnenstrahl zu laufen begänne und erst zur Ruhe käme, wenn die Bewusstlosigkeit des Schlafs es abschaltet. Es spielt immer und immer wieder zermürbende Laute wie «Du kannst nicht»; «Du bist böse»; «Du bist dumm»; «Es wird nicht funktionieren»; «Sieh nur, wie weit du zurück bist»; «Du bist einfach ein geborener Verlierer». Das Tonband kann sich mitten in einer geschäftlichen Besprechung melden, auf der Heimfahrt im Auto, wenn die Gedanken müßig schweifen, oder es kann den Liebesakt verdrängen. Es ist schwer, verliebte Gefühle zu haben, wenn man voller negativer Gedanken ist. Wie ein teuflischer Sukkubus verführen diese Gedanken Sie statt dessen, eben diese Gedanken zu «lieben». Dieses Tonband ist sehr schwer zu stoppen, mit bewusster, geduldiger Anstrengung kann es aber gelöscht werden.

21.  Sparen Sie nicht mit Lob und auch nicht mit Ermutigungen. Lassen Sie allmählich ein positives Tonband laufen. Entdecken Sie jeden Tag etwas Positives, das Sie über Ihren Lebensgefährten und sich selber sagen können. Bauen Sie sich gegenseitig bewusst und zielstrebig auf. Selbst wenn es Ihnen zu Anfang noch wie Hokuspokus vorkommt — mit der Zeit werden Sie sich dabei wohlfühlen, es wird eine stabilisierende Wirkung auf Sie haben.

22.  Lernen Sie, wie man Stimmungen managt. Voraussicht ist ein wunderbares Mittel, jemandem zu helfen, mit den Höhen und Tiefen seines Innenlebens umzugehen. Das gilt besonders bei ADD. Wenn Sie im voraus wissen, dass Sie auf Ihr freundliches «Guten Morgen, Liebling» so etwas wie «Lass mich» zur Antwort bekommen, können Sie es leichter wegstecken und müssen sich deswegen nicht gleich scheiden lassen. Und wenn die andere Hälfte des Paares etwas über Stimmungen gelernt hat, dann ist die Antwort auf «Guten Morgen, Liebling» unter Umständen: «Hör mal, ich sitze gerade wieder in meinem ADD-Loch» oder etwas in der Richtung und nicht eine verbale Attacke.

23. Überlassen Sie demjenigen von Ihnen beiden das Organisieren, der es besser kann. Es hat keinen Sinn, sich mit etwas herumzuschlagen, was man nicht hinkriegt. Wenn Sie das Wirtschaftsbuch nicht führen können, dann führen Sie es nicht. Wenn Sie mit den Kindern keine Kleider kaufen können, dann kaufen sie mit ihnen keine Kleider. Das ist einer der Vorteile davon, dass man ein Paar ist. Es gibt noch einen anderen Menschen, der aushelfen kann. Was dieser andere Mensch tut, muss allerdings in ansprechender Weise wahrgenommen, anerkannt und gutgemacht werden.

24.  Nehmen Sie sich Zeit füreinander. Wenn Sie das nur dadurch erreichen, dass Sie sich einen Zeitplan machen, dann machen Sie sich einen Zeitplan. Das ist ein Muss. Viele Menschen mit ADD witschen einem weg wie Quecksilber. In einem Moment hat man sie, und im nächsten Moment sind sie auch schon wieder weg. Offene Verständigung, Ausdruck von Zuneigung, das Anpacken von Problemen, gemeinsame Freizeitbeschäftigung und gemeinsames Amüsement – all diese Ingredienzien einer guten Beziehung können nicht zustande kommen, wenn Sie keine Zeit miteinander verbringen.

25.  Benutzen Sie ADD nicht als Entschuldigung. Jede Hälfte eines Paares muss die Verantwortung für das, was sie tut, übernehmen. Zwar soll man ADD nicht als Entschuldigung benutzen, aber das Wissen um das Syndrom kann unermesslich zu dem Verständnis beitragen, das man in die Beziehung einbringt.
                                                                              3/06

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Edward M. Hallowell / John J. Ratey
Zwanghaft zerstreut.
Die Unfähigkeit aufmerksam zu sein.
 

 

 

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