Startseite
Übersicht
Über ADHS
Schule
Kinder
Buchtipp
Frankfurt
Erwachsene
Bücher
Links
Elterngruppen
Häufige Fragen
Veranstaltungen
Forum

seit 28.12.1999

Bestellen bei Amazon
ADS - Hyperaktivität

Gesprächsforum

Gästebuch

Die Seefahrerin

Sicher glaubt ihr jetzt ein altes Märchen oder eine alte Ballade zu hören oder zu lesen.....Doch seit gewarnt es ist eine sehr gegenwartsgetreue Widergabe einer Irrfahrt. Allerdings in einer Zeit die zeitlos ist.....

1ter Akt...
Sie fuhr schon immer zur See... Sie liebte die See und sie verstand sie auch mit all ihrer Wechselhaftigkeit.
Als kleines Mädchen hatte sie sich als blinder Passagier auf Frachter und andere Schiffe gestohlen, voller Neugier und Wissensdurst wohin sie wohl fahren würden, welches Ziel sie hatten.
Wenn sie jedesmal von Bord geworfen wurde, hob sie trotzig den Kopf und wußte ...bis zum nächsten Mal.
Als jugendliches Mädchen, erwachend zur Frau, da baute sie ein eigenes Schiff, wenn auch mit einfachsten Mitteln und fuhr hinaus auf die See.
Ihre Gefühle waren frei und weit und sie atmete den schweren salzigen Wind. Das Führen des Schiffes mit all seinen kleinen Schätzen war schwere Arbeit, doch sie machte es gern und sie war jung und stark...

Jedesmal wenn sie eine kleine Insel sah machte sie halt und jedesmal ging sie wieder, doch mit wertvollen Geschenken beladen.. und Erinnerungen. Auf offener See traf sie hin und wieder einen Kapitän der mit seinem Schiff das Meer bereiste.. und so traf sie auch einen der schon ein kleines Eiland sein eigen nannte. Er war jung und so stark, das beeindruckte sie mächtig. Er lud sie auf seine kleine Insel und verwöhnte sie am Anfang sehr. Doch je länger sie blieb desto mehr fühlte sie sich unwohl. Auch wenn er mit säuselnden Worten sie davon abhalten wollte wieder fort zu fahren. Das Gefühl gefangen zu sein, war sehr mächtig. So machte sie sich wieder auf und lies ihn allein auf seiner Insel...

Die Magie des Meeres zog sie fort und sie war noch auf der Suche nach ihrer Heimat, ihrem Festland, keiner kleinen Insel, wo sie immer wieder auf das Meer stieß. Dieses weite geheimnisvolle und auch vielleicht gefährliche Meer war so zum Teil ihres Lebens geworden.
So manches Riff umschiffte sie und auch viele Stürme machten es notwendig einen neuen Hafen anzusteuern und so kam sie nach Hoffnungsland.... Ja so wurde diese Insel genannt. Sie sah so groß und schön blühend aus. Voller Freude machte sie ihr Tau fest und besah sich neugierig das Treiben. Ein junger Fischer beäugte sie aufmerksam und langsam näherte er sich ihr. Sie hatte ihn schon bemerkt und er gefiel ihr. Ein kleines Spiel gefällig ?? Neckisch lief sie schneller, als wenn sie ein bestimmtes Ziel hätte. Doch er bemerkte es und unverhofft, hinter einer Ecke, stand er dann vor ihr und redete sie an. Er lud sie in sein Haus. Dass er sie erkannt hatte, gefiel ihr irgendwie und eine Ruhepause war notwendig. So nahm sie die Einladung an. Plaudernd kamen sie bei seinem Haus an und sie sah, dass es groß und fest gebaut war. Viel Platz und Bequemlichkeit waren zu sehen und auch das Meer, direkt aus jedem Fenster, welche mit vielen Pflanzen wie zugewachsen zum schauen und verweilen einluden. Ja hier würde sie sich wohl fühlen. Und als er dann nach ein paar Tagen schon fragte ob sie seine Frau werden wollen, sagte sie mit freudigem Herzen ja.

Doch das Glück sollte nicht lange halten. Es gab in der Nähe von Hoffnungsland viele kleine Inseln und ihre Bewohner neideten den Hoffnungsländern ihren üppigen Reichtum und so wurde Hoffnungsland oft angegriffen. Jedesmal wurde es schwerer und schwerer Hoffnungsland zu verteidigen und eines schlimmen Tages wurde ihr eine Nachricht gebracht. Der Bote hatte ein zutiefst trauriges Gesicht und seine Haltung war gebeugt. Sie nahm ihren inzwischen ein Jahr alten Sohn in den Arm und ging ihm langsam entgegen. Seine Worte hörte sie nicht und es war ihr als wenn alles um sie herum versank in einem grausamen Strudel. Ja er war getötet worden.. war von ihr gegangen und hatte sie mit seinem Sohn alleine gelassen.
Wie viele Wochen sie apathisch, wie abwesend ihre Arbeit verrichtete, wußte sie hinterher nicht mehr und als sie langsam erwachte, war sie mit ihrem Sohn allein und ohne Mittel. Ihr inzwischen morsches Schiff würde keinen Sturm mehr aushalten. So suchte sie den Horizont des Meeres nach einer Mitfahrgelegenheit ab. Und auch bald steuerte ein starkes großes Schiff den Hafen von Hoffnungsland an. Fast wie bestellt. Sie wollte mit dem Kapitän reden und ihn bitten sie und ihren Sohn mitzunehmen.

2ter Akt...
So fragte sie einen von seinen Leuten.
Jetzt wußte sie, dass er gerne Feiern auf seinem Schiff veranstaltete und auch jetzt eine geben würde. Dort durfte wer wollte sich sein Schiff ansehen und auch mitfeiern...
Ihren Sohn an der Hand bestieg sie das Schiff und es dauerte nicht lange bis sie von den Seefahrern angesprochen wurde. Doch sie blieb still und setzte sich zum Kapitän. Enttäuschte Gesichter ignorierte sie, sie wußte was sie wollte. Die Feier näherte sich dem Höhepunkt und dem Kapitän fiel ihre stille Gestalt auf. So sprach er sie direkt an. Doch als sie ihren Wunsch nannte und fragte, ob er sie mitnehmen wolle, da sprang ein Leuchten in seine Augen und ein Lachen über ihr Ansinnen erhellte den Raum. Er kam auf sie zu und nahm sie schwungvoll in den Arm. Ohne zu fragen küßte er sie herzhaft auf den Mund. Seine Selbstsicherheit und seine Unverfrorenheit, ließen sie, sich ihm fast willenlos ergeben. Dieser Macht war sie nie zuvor begegnet. Sie verstand es als ein "ja", wenn sie ihm folgte und er hatte etwas an sich.

So wurde sie mit ihrem Sohn und ihrem schon recht morschen kleinen Schiff vom Kapitän aufgenommen und sie war ihm dankbar, fort von ihrer Trauer und fort von Hoffnungsland, ihrem Festland entgegen und wieder auf dem Meer. Wieder in Fahrt und die regelmäßigen Feiern für den Käpten und seine Mannschaft, eine willkommene Ablenkung.
Es war doch ein rohes Volk mit dem sie da reiste, so vollkommen anders als alles was sie bisher gesehen, doch trotzdem nicht ohne Gefühle, oh nein das konnte man wahrlich nicht sagen. Wenn sie in stillen Stunden in die Augen des Kapitäns sah, dann sah sie seine verletzte Seele und auch wenn sie nicht genau wußte was ihn so verletzt hatte, so erkannte sie auch ihren Schmerz in ihm. Dieser Schmerz schien sie zu verbinden, und sie hoffte ihm ihre Dankbarkeit, durch Milderung seines Schmerzes, zu zeigen. Oh ja, dafür würde sie kämpfen. Auch wenn sich dabei seine ganze Wut und Verbitterung an ihr ergoß. Sie war ja auch ein Kapitän, wenn nur ein kleiner. Sie wußte um ihre Stärke. So kämpfte sie mit seiner Wut und seiner Verzweiflung und dabei vergaß sie die Reise, das Meer und die Menschen um sich herum. Nur ihren Sohn vergaß sie nie.

So floß die Zeit durch Meer und Wind. Die ständigen Kämpfe machten sie mürbe und sie war erschöpft und ausgelaugt. Leise Zweifel schlichen sich ein, ließen neuen Gedanken den Raum. Seine Ausdauer und Hartnäckigkeit und diese unbändige Gewalt, die sie nie verstehen würde, machten einem neuartigen Gefühl Platz. Einem Gefühl das sie bisher nicht kannte, was selbst das mächtige Meer nicht bei ihr auslösen konnte. Sie hatte Angst vor ihm.
Sie spürte, dass eine Entscheidung heranreifte, eine sie verändernde Entscheidung und doch hoffte sie. Es war sehr ungewiß wie sie ausfallen würde, doch sie würde gefällt werden. Und so öffnete sie ihre Augen und schaute nach langer Zeit wieder aufs Meer und auf die Menschen um sie herum. Die Erinnerungen kamen wieder, wie nach einem langen Traum. So sah sie das kleine Schiff das sie begleitete und bemerkte, dass sie beobachtet wurde in ihrem Kampf. Seltsam, wieso beobachteten sie diese Menschen, die sie doch gar nicht kannten? Sie winkten und riefen, "komm zu uns, wir nehmen dich mit!! "
Sie sah auf das vertraute große und doch auch sichere Schiff und erkannte, sie war noch nicht bereit.
Die Leute auf dem anderen kleinen Schiff, schauten ihrem Treiben zu und wie, als wenn sie ihre Gefühle verstehen konnten, drehten sie bei und fuhren nun neben ihrem. Sie wußte sie konnte noch entscheiden.
Langsam begab sie sich in ihre Kabine und widerstreitende Gefühle verwirrten sie. Alles war so unlogisch und doch voller Macht ?? War das vielleicht sein Geheimnis, seine Stärke?? Weil sie nie versucht hatte, ihrer Wut und ihrer Verzweiflung laut Luft zu machen, war das der Grund?? Weshalb sie nicht weiter kam ??

Langsam öffnete sich ihr Mund, ihre Kehle wurde weit und ein erst sehr langsamer Schrei entrang sich ihrer Kehle. Ließ ihren Gefühlen Platz sich zu entfalten und unbändige Wut stieg durch ihre Adern. Sie spürte auf einmal eine mächtige Kraft in sich, so gewaltig wie ein alles verschlingender Wirbelsturm und ihr Körper erzitterte und in wildem Zorn hämmerte sie auf die Wände und auf die Bohlen. Als wenn sich all ihr Schmerz auf einen Schlag Luft machte.
Wie lange ihr Toben, dauerte wußte sie nicht. Doch als sie erschöpft auf den Boden sank, aller Kraft beraubt, wie betäubt, da wurde ihre Seele langsam weit und offen. Ihre Gedanken waren klar und unumstößlich. Eine solche Klarheit, wie ein scharfes Messer, ergriff ihr Herz und ihre Seele und sie erkannte auf einmal ihren Irrtum. Ja es war kein Fehler und auch keine Schwäche, es war einfach ein Irrtum. Sie wußte, jetzt würde sie gehen. Sie brauchte nichts mehr zu sagen, was auch! Er würde es so oder so nicht verstehen wollen. Nein, mehr als sie versucht hatte, konnte sie nicht tun. Und wenn sie nicht ging würde ihre Seele sterben, das konnte sie ihrem geliebten Sohn nicht antun, denn der brauchte sie. So wie sie war und nicht als seelenlose Hülle.
Ihre Sachen zusammenraffend und nicht mehr zurückblickend bestieg sie ihr inzwischen nicht mehr seetaugliches Schiff und hängte sich an das andere kleine Schiff.
Jetzt, ja jetzt folgte er ihr, doch es war zu spät. Viel zu spät und das Schiff dem sie folgte war sehr wendig, so konnte sie ihm entkommen und seinen Hilferufen.

Wie zum Trotz, bäumte sich das Meer auf und fing an zu wüten und zu toben. Auch das Schiff welches sie mitgenommen hatte kämpfte, doch ihr Schiff war nicht vor den Gewalten zu retten. Mit den letzten übriggebliebenen Brettern ihres Schiffes erreichten sie gemeinsam ein kleines Eiland. Nicht sehr einladend und mit seltsamen Leuten bewohnt. Doch es war ihr egal, Sie brauchte eine Ruhestätte und das andere Schiff mußte weiter. So entschied sie zu bleiben.
Sie wanderte durch die Siedlung und die Leute ignorierten sie, nahmen Sie einfach nicht war. Es wunderte auch nicht. So wie sie aussah und sich fühlte, da mußte sie wie eine arme Bettlerin erscheinen. So streunte sie durch die Siedlung und am Ende setzte sie sich nieder und konnte nicht mehr weiter. Eine alte Frau mit seltsamer zerrissener Kleidung setzte sich neben sie und sprach sie an. Ihr Blick war wirr und ihre Haare grau, doch sie schaute in ihre Augen und sie sah Verständnis und Freundlichkeit und einen Wunsch. Welchen das wußte sie nicht, aber hier mußte sie nicht betteln, hier war sie gern gesehen.

Die alte Frau war die Heilerin des Dorfes und mit den Kräften der Natur vertraut. Sie kannte viele Heilkräuter und Geheimnisse und hatte keine Kinder. Schnell erkannte sie den Grund der alten Heilerin, sie sollte ihren Platz einnehmen und so sein wie die alte Heilerin.
Sie wohnte bei ihr und lernte viel von den Heilkräften der Natur und auch von vielen anderen Dingen, die sie nicht kannte. Doch die in ihrem Ausbruch erwachte Klarheit lies sie noch mehr erkennen, viel mehr. Und so wußte sie das Sie den Wunsch der Heilerin nicht erfüllen konnte, doch sie konnte ihr innere Ruhe und Gelassenheit schenken. Und einen sanften Tod, der, der durch ein Lächeln begleitet wurde. Und die Weisheit der Heilerin, würde auf ewig erhalten bleiben. In ihr und ihrer Seele als Erinnerung, sie begleitend. Doch sie würde das Eiland verlassen, für immer. Sie mußte für ihren Sohn und sich ihr Festland suchen. Jetzt wo sie von ihren Schmerzen geheilt war und wußte wie sie damit umgehen konnte. Durch das Wissen der Heilerin war sie in der Lage sich jetzt ein neues Schiff zu bauen. Ein größeres und haltbareres Schiff, eins das wirklich in der Lage war sie zu ihrem Festland zu führen. Sie war sich so sicher, jetzt würde sie es schaffen.
Ihr alter Lebensmut war zurückgekehrt, bereichert durch ihre Erfahrungen, mußte es gelingen.
Frohgemut machte sie sich auf den Weg, diesmal ein Liedchen auf den Lippen.

Letzter Akt...
Der Wind war lau und mild. Sie stand am Ruder noch unsicher welche Richtung sie einschlagen sollte. So hob sie den Kopf, Richtung Himmel und ausgelassen drehte Sie sich unbestimmte male um sich selbst. Lachend und ein wenig schwindlig hielt Sie abrupt an. Und schaute in einen berauschenden Sonnenuntergang. Das war also die Richtung und wie zur Bestätigung erflammte der Horizont an dieser Stelle glutrot und wie, als ob sie ihr folgen sollte, versank die Sonne im Meer. Diese Nacht würde sie aufbleiben und das Ruder halten.
So folgte sie der untergehenden Sonne und ihre Erlebnisse und Erfahrungen begleiteten Sie. Das Meer war hier sehr unbefahren, jedenfalls traf sie nur ab und zu andere Schiffe oder Ufer. Und ihr wurde ihre Einsamkeit bewußt. Auch wenn sie ihren Sohn hatte, der oft ausgelassen an Bord tobte. So fing sie an zu spüren, dass ihr noch etwas fehlte und das war nicht ihr Festland. Das war ein lieber Mensch der mit ihr reiste. Sie begleitete und ihr im Sturm zur Seite stand, ja dieses Gefühl vermißte Sie. So fing sie an, den Horizont nach anderen Schiffen abzusuchen und bewußt darauf zu zusteuern. Und sie traf ein Schiff und mit ihm einem Kapitän, der in die gleiche Richtung reiste. Als sie ihm das erste Mal in die Augen schaute, da sah sie in sein Herz. Das war groß und edel, voller Wohlgefühl für sie und auch Mitgefühl. Ihr Herz wurde heiß und sehnsuchtsvoll, denn sie sah auch, dass er nach einer anderen Frau seines Herzens suchte. Nicht nach ihr, und so wurde aus beiden Herzen ein neues Gefühl geboren. Er stand ihr bei, wenn Sturm nahte und er tröstete sie, wenn sie vor Einsamkeit verzweifelte. So wie sie ihm half.

Ihre Reise zusammen war für sie schön und erfüllend, aber auch mit einem kleinen heimlichen Schmerz. Der nagte an ihren Gedanken und Gefühlen. Es lies ihr einfach keine Ruh, und das wovor sie sich am meisten fürchtete, genau das geschah. Eine neue und schöne Jacht kreuzte ihren Weg. Der Ritter ihres Herzens, steuerte darauf zu und traf, seine Frau des Herzens. Welch Wehleid erfüllte ihr Herz. Alle ihre Versuche, das unvermeidliche abzuhalten, war nur Zeitverschwendung, wenn auch durchgeführt. Einsam und verlassen schaute sie den beiden Schiffen hinterher und Wehmut beschlich ihr Herz. Und so viele Fragen, kreisten in ihren Gedanken, ungelöste Fragen. Würde sie je eine Antwort darauf erhalten ?? Doch sie konnte und konnte einfach nicht wütend sein und sein Handeln verurteilen. So sehr wie sie es sich wünschte, ihre Erfahrungen zeigten ihr doch, es war so wie es war. Es war eben wahr.

Wieder nahten Stürme, gerade jetzt. Wo sie so alleine war. Und ihre Hände waren schwach und ihr Herz voller Bitternis und ihr Sohn schaute ihr hilflos zu. Er war inzwischen schon fast erwachsen, doch zu sehr noch Kind um ihr zur Seite zu stehen.
Ein leises warmes Lächeln huschte über ihr Gesicht, wenn sie seine Bemühungen sah, sie aufzuheitern. Ja, er kannte ihr Herz. Und er war ein Stück ihres Herzens, doch sie wußte, sie würde ihn irgendwann in nicht allzuweiter Ferne, hinausschicken zu seinen eigenen Wegen. Was dann für sie kam das wußte sie nicht. Noch war Zeit, aber auch die würde hinweg fließen. Hinweg aus ihrem Leben.
Noch viele Tage und Wochen gingen über das Meer, ihr so stolz erbautes Schiff, trieb auf die Vergangenheit zu. Die Balken knarrten und der Stoff der Segel wurde löchrig. Jeder neue Sturm hinterließ neue Spuren. Nicht nur bei ihrem Schiff und die Reise wurde so unendlich. Ihr Ziel noch nicht entdeckt, immer noch in nebelhafter Ferne. Würde sie es je erreichen, sie war müde geworden, ihre Augen starr und in der Einsamkeit der Tage vergaß sie ihren Lebensmut. Ihre Lebensfreude. Das Meer schon lange nicht mehr dir Herausforderung, schon lange nicht mehr voller Neuem. Jedes kleine Eiland das sie ansteuerte um neue Kraft zu holen, ließ nur Trauer in ihr zurück. Auf einem Eiland hatte man ihr zwei Tauben geschenkt. Die begleiteten sie und ihren Sohn. Und wenn der Horizont zu lang wurde, so sandte sie die Tauben aus. Und manchmal kam es vor, das sie mit einem Briefchen wiederkamen. Briefchen von lieben Menschen auf ihren Inseln. Manchmal wünschte man nur Glück, und manchmal wurde sie eingeladen, doch sich auszuruhen oder zu bleiben. Doch sie hatte noch nicht ihren Traum vergessen.

Eines Tages nach einem recht wildem Sturm, ließ sie wieder ein mal die Tauben fliegen. Sie hoffte auf ein Briefchen, denn sie brauchte dringend Vorräte. Diesmal jedoch kamen die Tauben nicht zurück, verwundert schaute sie über den Horizont. Das hätte ihr noch gefehlt, auch das noch. Wieso kamen sie nicht zurück? Aber eigentlich war es ihr auch egal, sie war schon ohne Kraft und das winzige Fünkchen Hoffnung lag im Sterben. Nur für ihren Sohn wollte sie noch einen passenden Platz zum Aufbruch suchen. Wenigstens das wollte sie noch tun, nein mußte sie tun. So schaute sie mit ihrem letzten bißchen Kraft weiter auf den Horizont. Achje, der machte sie so traurig, hoffnungslos traurig. Sie wollte nur noch ausruhen, nicht mehr hoffen und bangen. Nein einfach nur ausruhen, still in einer Ecke sitzen.
Deshalb bemerkte sie nicht den schwarzen Streifen am Horizont, der unverhofft auftauchte. Erst der helle Ruf ihres Sohnes lies sie aufschauen und zu ihm eilen. So etwas hatte sie noch nie gesehen. So tief schwarz und über die gesamte Breite des Horizont waren einzelne oder zusammenhängende schwarze Riffe zu sehen. Aus ihrer Erfahrung wußte sie, dass hinter Riffen oft eine Insel war. Aber das mußten viele Inseln sein. So ein zusammenhängendes Riff hatte sie noch nie gesehen. Ihr Sohn sprach aus was sie nicht zu ahnen wagte. "Mutti das ist keine Insel, das ist Festland!!", "Oder eine riesige Insel!" Mit ihrem schweren Herzen, schaute sie auf das so riesige Riff. Aber wo war die Durchfahrt? Wie konnte sie die Insel erreichen? Erschöpft schaute sie auf ihr Schiff. Würde sie es mit ihm schaffen? Würde es mit den zu erwartenden Strudeln und Brechern fertig werden. Daran konnte sie nicht glauben, zu sehr konnte sie erahnen, welche Mächte dort ihr Wirken hatten. Ach, wenn sie doch wenigstens ihren Sohn dort herüber bringen konnte. Sie fühlte sich zu schwach. Sie schaute ihrem Sohn in die vor Aufregung ganz weiten Augen. Und ihr Entschluß stand fest, sie würde es wagen. Auch wenn sie ihr Schiff aufgeben mußte. Für ihn würde sie es wagen. Das mußte sie noch schaffen, es mußte einfach irgendwie gehen...

Liebe Leser, normaler Weise muß die Reise nun aufhören. Das Leben schrieb diese Geschichte und der Schluß steht noch nicht fest. Genau hier befinde ich mich und es ist ungewiß wie es weiter geht. Das Leben ist erfindungsreicher wie ich. Jedoch habe ich einen Wunschtraum und diesen will ich hier noch zu Ende führen.

Ihre Hände zitterten und waren vom halten des Ruders rissig geworden. Deshalb befuhr sie ersteinmal in sicherer Entfernung das Riff. Vielleicht gab es doch eine Durchfahrt. Wenigstens eine schmale, das würde vielleicht reichen? Ihr Sohn mit seinen jungen Augen suchte jede nur noch so kleine Lücke ab und berichtete ihr genau. Da, da war das Riff schmaler, oder nein, dahinter türmten sich weitere Riffe. Aber dort, da hinten. Ja das sollte man sich näher ansehen. Was sie fanden war ein kleiner schmaler Wasserweg, doch voller Strudel und tosenden Wassern. Nein ihr Schiff konnte das nicht schaffen. Eine andere Stelle? Doch deutlich spürte sie ihre Kraft erlahmen, so viel Kraft hatte sie nicht mehr um tagelang nach einer geeigneten Stelle zu suchen. Sie rief ihren Sohn. Lange schaute sie in seine Augen und er antwortete mit einem verwunderten, dann jedoch verstehenden Blick. Sein Gesicht bekam einen ängstlichen Ausdruck und das bei seiner jugendlichen Unwissenheit. Sie schaute wieder auf das Riff und er beobachtete sie. Er sah ihre zweifelnden Falten auf ihrer Stirn und plötzlich nahm er ihre Hand. Sie schauten sich an und mit leicht schwingender Stimme sagte er "Okay, dann mal los!!" .
Einen kurzen Augenblick durchzuckte sie ein stechender Schmerz und entschlossen richtete sie das Schiff aus. Direkt auf die Strudel. Doch nicht ganz auf die Durchfahrt, ein Gedanke schoß ihr durch den Kopf. Ja so würden sie es schaffen, das könnte gehen. Einen kurzen Abschiedsblick auf ihr einst so schönes Schiff gönnte sie sich noch. Dann barsten die Balken und sie wurden umhergeschleudert.
Eine Welle klatschte auf ihren Körper. Sie war wohl kurz besinnungslos gewesen. Zwischen den Resten ihres Schiffes lag ihr Sohn. Abrupt wollte sie zu ihm, dann sah sie, dass er auch erwachte, verständnislos schaute er und sie lächelte ihn an. Sie lebten noch. Ja das Schiff war kaputt, aber sie hatte im letzten Augenblick einen kleinen Pfad zwischen den Riffen gesehen. Einen der über die Riffe führte. Das Meer hätte sie verschlungen wenn sie versucht hätten zu schwimmen. Aber hinüber konnten sie doch klettern. Langsam stand sie auf, schaute ob alle Knochen noch heil waren und war erleichtert. Nichts ernsthaftes, nur Kratzer und Schrammen waren zu sehen.

Wieder lächelte sie auch wenn ihr Herz voller Traurigkeit und Schwermut war. Ein langes Tau benutzte sie um sich und ihren Sohn zu verbinden, denn eine anstrengende Kletterei hatten sie noch vor sich und was dahinter war konnten sie nicht sehen. Es konnte überhaupt nicht schlimmer sein. Also los. Nur langsam kamen sie voran. Die Felsen waren naß und rutschig und beide noch kraftlos. Doch sie halfen sich wo sie nur konnten, auch wenn es etwas neues für sie war. Klettern, laufen gehen auf festem Boden. Ihr Sohn erreichte als erster einen ersten Blick hinter das Riff. Mit offenem Mund stand er und wartete auf sie. Das gab´s doch gar nicht, da war das Festland ihrer Träume. Da lag es vor ihr. Ein verklärter Blick befeuchtete ihre Augen. So nah. Sie glaubte nur die Hand ausstrecken zu müssen. Überwältigt lehnte sie sich an die Felsen. Ihr Sohn zog an ihr..."Komm!!". Willenlos folgte sie ihm, dann kam sie wieder zu sich. Sie sah die Bucht vor dem Festland. Sie mußten noch schwimmen. Es gab keine Verbindung zwischen Riff und dem lockenden Festland. Die kleinen Boote der Fischer nahm sie gar nicht war. Sie sah nur ihr Festland, ihren Traum. Ihr Sohn rief und winkte und verständnislos schaute sie seinem Treiben zu. Ja er würde es schaffen, er hatte alles was sie ihm je geben konnte, von ihr bekommen. Sie war schwach, doch sie fühlte sich so glücklich. So unendliche innere Ruhe nahm von ihr Besitz und als ihr Sohn sie ins klare kalte Wasser zog, ließ sie es einfach geschehen. Starke Hände packten sie und zogen sie in ein kleines schaukelndes Boot. Ein müdes Lächeln glitt langsam durch sie und ihre Seele und sie schaute in ein schon von Falten gezeichnetes sehr freundliches Gesicht. Kannte sie ihn?? Oder er sie?? Jetzt schloß sie die Augen. Ja jetzt konnte sie schlafen, einfach nur schlafen und der Mann der sie in den Armen hielt schaute verwundert in ein sanftes, lächelndes, schlafendes Gesicht.
Das Happy-End.......

Als ich mit 38 Jahren erfahren habe, dass ich ADS habe, da hatte ich viele Dinge schon gelöst, die mein Leben zu einem Chaos machten...einfach aus dem Existenzwillen heraus. Jedoch wünsche ich niemanden diese Erfahrungen, denn sie sind sehr schmerzlich. Auf der anderen Seite habe ich dadurch ein paar tiefe Einblicke gewonnen, die mir sehr halfen...
Die Seefahrerin. Dabei handelt es sich um einen Versuch, den Menschen das Wesen und auch die Vorzüge von ADSlern einmal nahe zu bringen....denn das hervorstechendste Merkmal von ADS'lern -finde ich - ist der Kampfgeist...das Stehaufmännchen...

zurück zum Seitenanfang

zurück zur Übersicht der Erfahrungsberichte
 

Liebe Besucher/innen dieser Internetseite,

wenn Ihnen unsere Seite gefällt, und Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, dann können Sie Ihre Bücher, die Sie ohnehin kaufen wollen, über den Amazon.de-Link oder die Einzellinks im Literaturverzeichnis bestellen. Danke.