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Frederic 7 Jahre alt
 

Auch ich möchte meinen Bericht über mein Kind Frederic* abgeben, er ist ein ADHS- Kind.

Es kommt die Zeit, in der jeder Mensch über eine Familiengründung nachdenkt. So auch bei uns - ich war damals mit meinem Mann ca. 3 Jahre zusammen und wir hatten schon einen Sohn, als Frederic unterwegs was.

Das Familienglück war perfekt das zweite Kind unterwegs.

Frederic überraschte uns, denn er war sehr pünktlich und kam am genau ausgerechneten Termin. Uns war noch nicht bewusst, dass wir ein Kind hatten, das ganz anders war als andere.

Er war eigentlich kein anstrengendes Kind bis er laufen konnte, das war allerdings schon mit einem Jahr. Aber wir sahen es gelassen - frei nach dem Motto - ist halt ein Schneller!!

Frederic überzeugte uns immer wieder, dass er schnell mit allem war. Als er laufen konnte - rannte er nur - er rannte und rannte und ich hinterher. Mit Zweieinhalb entdeckt er folgendes Hobby - man wartet auf Autos und wenn sie an einem vorbeifahren - springt man davor. Diese Phase dauerte ca. 1 Jahr - ein Jahr wirklich Nerven bewahren und hoffen, dass der Schutzengel schneller fliegt, als Frederic hüpfen kann.

In dieser Zeit hat er auch seine ersten Röhrchen in die Ohren bekommen, da er nichts mehr hörte, die Mandeln wurden dabei auch entfernt. Mir hätte schon da auffallen müssen, dass das Narkosemittel ins Gegenteil umschlägt – aber man denkt sich ja nichts dabei, wenn das Kind beim Aufwachen schon im Bett rumhüpft und die Kabel, sowie die anderen Sachen sich aus den Armen reißt. Er ist ein aufgewecktes Kerlchen.  Wobei ich anmerken möchte, ich war mit beiden gleichzeitig im Krankenhaus und hatte den direkten Vergleich daneben liegen – sein Bruder lag wirklich flach bis er richtig wach war – benommen und ruhig. Naja, aber es kam alles noch besser – uns sollte nicht langweilig werden.

Ganz zu schweigen von der Abhauerei, die er an den Tag legte, - man konnte ihn keine Sekunde aus den Augen lassen, aber wir waren auch nicht schlecht und er bekam, weil er bis dahin kaum ein Wort redete, eine Armkette mit Name und Telefonnummer drauf. Er kam in den Kindergarten und es ging erst richtig los. Fahrrad fahren lernte er an einem Tag, er beschloss er fahre nun Fahrrad und setzte sich drauf und fuhr los, ohne Stützräder und ohne helfen, ja so war Frederic, die erste Fahrt endete in einer Brombeerhecke und ich wunderte mich nur, dass wir noch keine Anzeige wegen Kindesmisshandlung am Hals hatten, denn es kamen Löcher im Kopf, Prellungen und Stürze – aber der Vorteil war wahrscheinlich, dass der Kinderarzt in der gleichen Straße wohnte und ich einen guten Draht hatte – wir konnten kommen wenn Bedarf war, und er grinste nur – denn eins muss man Frederic lassen – er besitzt einen unheimlichen Charme – einmal angeschaut und es ist um einen geschehen!

Im Kindergarten ging es aber wie gesagt weiter und in kürzester Zeit hatte er keine Freunde mehr, denn es ist nicht schön, wenn man seine Freunde verhaut. Die Abstände, in denen der Kindergarten nicht mehr mit ihm klar kam, wurden kürzer. Ich schnappte ihn und wir landeten bei einer Psychologin, die mit ihm eine Spieltherapie machte, und wo zum erstenmal das ADS+H angesprochen wurde, es folgten unzählige Termine mit dem Ergotherapeuten, die auch Erfolge zeigten.  Mir war damals schon klar - dass mein Kind kein "normales" Kind war. Es lief ständig am Limit und meine Nerven lagen blank. Ich war nur immer froh, dass ich im behinderten-Bereich arbeite und sehr viel Geduld aufbrachte, und wenn der eine Weg nicht ging, versuchte ich einen anderen zu nehmen.

Es kamen immer die Vorhaltungen der Omas und Opas - du erziehst deine Kinder nicht konsequent genug. Die brauchen eine hinter die Löffel, dass es wieder funktioniert, die tanzen dir auf der Nase rum!

"Aussagen, die ich immer und immer anhören musste" - ich fand in all den Jahren keine Unterstützung durch meinen Ehemann - wie ich es mir erhofft hätte. Nun das End vom Lied - ich hab mich scheiden lassen und war ein Jahr lang Alleinerziehend mit mittlerweile drei Kindern, die ich über alles liebe.

Es war eine schwierige Zeit, denn das ADS+H war nicht anerkannt und jeder sagte einem, dass es die schlechte Erziehung sei - was ich irgendwann auch glaubte.

Nun das Leben ging zu viert weiter - und es ging ganz gut - bis ich meinte mich verlieben zu müssen. Keine lange Reden - er wusste nicht auf was er sich einlässt, auf eine Frau mit drei Kindern und einer davon ADS+H - nach zwei Jahren ist die Beziehung am Ende.

Wir sind umgezogen in ein neues Bundesland und Frederic ist mittlerweile eingeschult worden. Die erste Woche lief super gut und ich war schon voller Freude - ja es klappte - doch das bittere Erwachen sollte folgen. In der zweiten Woche war die Schonfrist vorbei und er drehte richtig auf!! Es verging fast keine Woche in der ich nicht in der Schule war. Einmal verhaute er seine Mitschüler, ein andermal ging er mit dem Taschenmesser auf Viertklässler los, dann hat er noch in zwei Läden geklaut. Meine Nerven und auch meine Beziehung war damit zu Ende. Ich resignierte vor allem.

Es kamen die Herbstferien und er beruhigte sich wieder - es ging weiter im normalen Bereich, sofern man dies so nennen kann. Aber mir graute wieder vor dem ersten Schultag nach den Ferien. Ich hatte nur noch die Hoffnung alles wird gut – wir hatten einen Psychologentermin.

Doch leider dauerte es der Lehrerin zu lange und als ich nach den Herbstferien zum ersten Termin erschien – hieß es nur: “Ihr Kind hat Defizite im Schreiben, Rechnen und Lesen” es muss auf eine Sonderschule” – wumms das saß – alleingelassen mit diesem Satz.

Es begannen wieder die Zweifel – stimmt es oder nicht – liegt es an deiner Erziehung oder nicht. Nun ich hatte nicht lange Zeit zum Überlegen, denn Frederic kam aus der Schule - und wenn wir Hausaufgaben machten, flogen die Blätter und Hefte. Es sah alles so unordentlich aus, die Stifte angeknabbert, die Hefte verknickt, der Radierer in Stücke geknabbert. Aber ich gab ich Hoffnung nicht auf – ich bügelte die Blätter und Hefte wieder, kaufte ab und an neue Radierer.

So ging es dann noch eine Weile. Bis Frederic eines Tages erzählte, er sitze nun ganz allein und ganz hinten!! – da wurde mir klar, die Lehrerin hat resigniert – wenn andere belohnt wurden mit Gummibären bekam er nichts – weil er böse ist!! (habe ich alles erst später erfahren von Eltern der Klassenkameraden). Es dauerte nicht lange und Frederic schrie nachts wieder wie am Spieß – ich kannte das aus der Kindergartenzeit – wenn man sein Kind nachts so schreien hört, dann weiß man jetzt wird es höchste Eisenbahn!! Die Tests der Schule liefen alle noch und es war unklar, ob Frederic in eine andere Schule musste – ich nahm ihn von der Schule – innerhalb von 2 Tagen war er an einer andern – in einer Schule für integrative Lernförderung. Die beste Entscheidung, die ich getroffen habe. Frederic geht nun seit 2 Wochen in diese Schule und er geht mit soviel Freunde dorthin, er fühlt sich angenommen, weil er sieht, dass nicht er allein das Problem hat, sondern andere Kinder so sind wie er – was er auch nach dem zweiten Schultag sagte: “Mama, da sind viele Kinder so wie ich!!” und noch ein Satz aus dem Mund meines Kindes “Mama, Schule macht ja Spaß!” Seit diesen Sätzen weiß ich, ja es war richtig.

Der Psychologentermin war dann am 13.12. und er meinte nur “ja er hat das ADS+H” und ich könne mir überlegen, ob ich  Ritalin oder Medikinet einsetzten möchte?? Er hilft mir gern weiter, wenn Fragen sind. Wir waren 2 Stunden bei dem Arzt und wurden super betreut, auch jetzt noch.

Ich kam aus der Praxis und war erst mal froh jetzt endlich sagen zu können – “Hallo, mein Kind hat ADS+H und es war nicht falsche Erziehung” – aber diese Euphorie hielt nicht lange, denn mit den Eltern verschiedener Kinder und Familien – diskutierte ich nun über Ritalin und Medikinet – verrückt oder?????

Nun kommen diese Sätze wie – du wirst doch deinem armen Kind das böse Mittel nicht geben wollen – was du alles damit kaputt machst, usw. usw. usw.”

Also man hat dann die Diagnose und aber immer noch keine Antwort.

Aber es liefen ja noch die Tests der Schule, die ich ganz vergessen hatte  - gestern kam die Auswertung, musste also in die Schule. Der Schulpsychologe, der dortigen Schule wo Frederic nun ist, nahm sich sehr viel Zeit für mich und erklärte mir wirklich alles was er getestet hat.

Es kam raus, dass Frederic einen IQ von 110 hat und dass er massive Probleme beim Lesen und Rechnen hat. Was auch aus den Test hervorging, dass er es könnte, wenn er konzentriert genug wäre!! Denn wenn man sich die Zeit nimmt und es ihm zweimal sagt oder dreimal und ihn auch darauf hinweist – dann funktioniert es!! Also keine Schwäche in diesem Sinne.

Mmh – was das nun genau heißt fragte ich ihn? Er erklärte mir, dass, wenn es so wie jetzt weitergeht, dass er mit 99% Sicherheit eine Lese- und Rechenschwäche entwickelt – obwohl das nicht sein muss, weil er nicht konzentriert genug sein kann. Ich fragte ihn direkt – wenn ich mich für ein Medikament entscheide – würde es helfen??? Der Schulpsychologe sagte ja – das Ritalin/Medikinet  und Konzentrationstraining, das zusammen hilft ihm, auf jeden Fall...

So nun sind wir wieder einen Schritt weiter. Ja, ich habe mich für das Medikament entschieden. Egal wie es weitergeht – aber ich gebe meinem Kind die Chance es zumindest zu versuchen. Was draus wird weiß keiner, aber ich/wir können sagen wir haben es versucht!!

Und vielleicht haben wir dann als kleine Familie mal die Chance auf ein “normales” Familienleben und nicht immer und jeden Tag eine Gradwanderung zu machen.

Am 09. Januar ist es soweit – dann wird man sehen was passiert und welche Auswirkungen es hat auf ihn und uns.

Ich wünsche uns allen, die davon genauso betroffen sind wie wir, die Kraft und auch, dass sie immer wieder sehen – wie toll diese Kinder sind – man muss sich immer vor Augen halten – wie kreativ, charmant, einfallsreich und auch hilfsbereit diese Kinder sein können. Sie fordern uns – keine Frage – aber sie brauchen uns und geben uns auch sehr viel zurück. 

Meine Lebensphilosophie:

Genieße und erfreue dich an jeden neuen Tag der beginnt – jeder Tag ist ein guter Tag und wenn es abend ist – denke ich oft – wieder ein Tag überlebt und schau dann in den Himmel und wenn ich dann die Sterne leuchten sehe, dann überleg ich mir, was schön war an dem Tag und schenke diesem Stern meine Gedanken!!

Dezember 2005

                                                            *alle Namen sind geändert

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