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ADS - Hyperaktivität

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Gina 15 Jahre alt
 

Gina* ist unsere zweite Tochter und wie ihre Schwester ein absolutes Wunschkind. Von klein auf war sie unser Sonnenschein. Fröhlich, freundlich, lustig, sehr charmant. Sie kann auch absolut stur sein, und aufräumen war und ist fast unmöglich für sie. Sie ist, im Gegensatz zu ihrer Schwester, eine absolute Chaotin.

In der Schule kam sie von Anfang an gut mit, obwohl sie eigentlich fast nie Aufgaben erledigen musste (die hatte sie meistens bereits in der Schule gemacht), waren ihre Noten wirklich gut - bis zur 6. Klasse, da begannen die Schwierigkeiten!

Die Schulaufgaben wurden mehr, und sie saß oft stundenlang über ihren Arbeiten. Arbeiten, die bei etwas Konzentration vielleicht eine halbe Stunde beansprucht hätten....

Sie begann in der Schule durch ihr recht geschliffenes Mundwerk aufzufallen, hatte oft Streit mit ihren Freundinnen, mit den Lehrern, und natürlich auch zu Hause mit der Familie.
In einem Moment konnte sie völlig explodieren - im anderen sich ganz herzlich und ehrlich entschuldigen.

Unsere Tochter schaffte die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule ganz knapp und in der folgenden Zeit setzte sie sich selbst unter einen enormen Leistungsdruck. Sie wollte unter keinen Umständen zurückfallen in die Realschule, wollte ihre Leistungen in der Schule massiv verbessern, wollte so Vieles...... Am Willen lag es nicht....

Die Agressionen auf uns Eltern, die Schwester, Kolleginnen, Freunde, Lehrer kamen langsam und wurden immer mehr. Sie stritt sich mit allen und jedem. Später tat ihr alles Leid, sie weinte viel und war oft sehr in sich gekehrt und sehr, sehr traurig. Wir auch!!

Als sie anfing Zigaretten zu rauchen und zu kiffen war sie zwölf. Wir waren völlig überfordert mit unserem Kind. In der Schule wurde sie abgestempelt von den Lehrern, als Rebellin, die könnte, wenn sie bloss wollte, aber leider nicht will und die mit den absolut falschen Leuten Kontakt pflegte. (Mit Kindern, die ähnlich gelagerte Schulprobleme hatten und natürlich auch rauchten)

Als wir nicht mehr weiterwussten und ich als Mutter kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, vereinbarte ich einen Termin bei einer Psychologin. Gina wollte eigentlich gar nicht mitkommen, denn sie habe ja keine Probleme, meinte sie. Ich erklärte ihr, dass SIE vielleicht keine Probleme habe, ICH jedoch schon. Ich erklärte ihr ganz offen, dass ich mit der ganzen Situation völlig überfordert sei und Hilfe bräuchte. Da beschloss sie mitzukommen.... Es stellte sich in der Folge heraus, dass unser Kind ADS hatte. IQ 132 / Konzentrationsspanne 15 Min.

Für uns Eltern war die Tatsache, dass unser Kind eine Krankheit hatte, wie eine Erlösung. Hatten wir doch bei uns nach Erziehungsfehlern gesucht und gedacht, wir hätten dieses Verhalten zu verantworten. Dass dem nicht so war, dass es ganz viele Kinder mit solchen und ähnlichen Problemen und Symptomen gibt, das erfuhren wir so nach und nach. Wir lasen alles über ADS, was wir in die Hände bekamen, informierten uns über Behandlungsmöglichkeiten, etc., etc.

Gina bekam Ritalin verschrieben. Von da an ging es ihr und auch uns in der Familie besser. Nicht so in der Schule. Sie wurde ihren "Stempel" ein unmögliches Kind zu sein, nicht mehr los. Sie lernte auch nicht - hatte keine Lust dazu. Die Lehrer versagten völlig, obwohl wir sie über Ginas Krankheit informiert hatten. Bis auf eine Handarbeitslehrerin, wusste niemand so recht, was ADS war und demzufolge auch nicht, wie man mit solchen Kindern umgeht. Sie erwarteten, dass das Medikament Ritalin, alles richten werde, dass Gina sich nun völlig konzentrieren können müsste, keine Hausaufgaben mehr vergessen würde u.s.w.

Inzwischen hatte unser Kind durch die Lernverweigerung, so viel Schulstoff verpasst, dass sie, auch wenn sie sich auf eine Prüfung wirklich vorbereitete, keine guten Noten mehr schreiben konnte. Sie wollte nicht mehr zur Schule gehen, begann sogar die Schulstunden zu schwänzen! Sie gab sich völlig auf und wir Eltern waren verzweifelt.

Ich fing an, nach einer Lösung zu suchen. Sogar einen Internatsaufenthalt schlossen wir nicht mehr aus. Das war eigentlich das Allerletzte, was wir uns wünschten, aber wir mussten unser Kind irgendwie aus der negativen Spirale rausholen, in die sie unverschuldet hineingeraten war.

Durch einen Bekannten hörten wir von einem Internat, das sehr gut sein sollte und wo die Lehrpersonen Erfahrungen mit ADS-Kindern haben. Dorthin schicken wir nun unsere Tochter. Sie kommt nur noch an den Wochenenden nach Hause. Das ist für sie nicht leicht und auch für uns nicht, denn wir vermissen sie sehr.

Es geht ihr gut. Sie will wieder lernen und tut das auch. Sie weiß, dass sie viel verpasst hat in der Schule aber auch, dass sie dies mit konsequenter Arbeit wieder aufholen will und vor allem kann, denn man holt die Kinder im Internat dort ab, wo sie schulisch stehen und baut sie langsam wieder auf. Die Lehrer und Betreuer glauben an die Kinder und diese spüren das.

Es ist uns klar, dass jederzeit wieder irgendwelche Probleme auftauchen können und das manchmal auch tun - aber die Abstände zwischen den Krisen werden immer größer.

Gina hat wieder Hoffnung ins Leben, hat aufgehört zu kiffen und freut sich aufs erwachsen werden.

Und wir, wir freuen uns mit ihr!!!

Was mich beschäftigt ist die Überlegung, was wohl Eltern tun, die nicht die finanziellen Mittel haben, um ihr Kind in eine Spezialschule zu geben. Die Welt ist nicht gerecht.

August 2004

                                                            *alle Namen sind geändert

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