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Patrick geb.1994
 

Hallo, ich bin 30 Jahre alt und Mutter von vier Kindern, erzählen möchte ich hier von Patrick* meinem Ältesten, jetzt fast neun Jahre alt.

Seine Geburt war heftig lang, über 30 Stunden, aber alles ok, keine Probleme, Stillen klappte wunderbar, dann am nächsten Tag Besuch für mich und meine Zimmergenossin.
Patrick schrie den Rest des Tages und die ganze Nacht. Nach drei Tagen nach Hause, die Schwester übergab ihn uns mit den Worten "Viel Spaß mit Ihrem Temperamentsbündel".

Zuhause war es mehr oder weniger eine Katastrophe, tagsüber schlief er höchstens mal vor Erschöpfung für 10 Minuten ein, nachts hatte ich nach sechs Wochen wenigstens Ruhe, den Wickeltisch schmiss ich raus, es war unmöglich dieses Kind zu kontrollieren, gewickelt wurde dann auf dem Boden...mein Haushalt lag brach, er schlief ja nicht tagsüber, er spielte aber auch nicht, er wollte die ganze Zeit bespielt werden, sonst schrie er.
Zwischendurch war ich so fertig, dass ich das schreiende Kind in sein Gitterbett legte und eine Runde um den Block gelaufen bin, weil ich mich beruhigen musste.

Patrick überschlägt das Krabbeln und zieht sich mit neun Monaten hoch und läuft an der Wand entlang, immer noch nicht zufrieden, erst als ich ihn in ein Gehfrei setze, das ich nie holen wollte, habe ich mehr Ruhe, er ist endlich mal zufrieden.
Sein Bedürfniss nach Bewegung ist kaum zu stillen, er bringt mir Schuhe und Jacken und will raus, er klettert überall hoch, hat vor nichts Angst, fällt häufig, ist aber selten am Weinen, außer vor Wut, wenn etwas nicht gelingt oder ihm etwas verboten wird. Heftige Wutanfälle sind an der Tagesordnung, die Sprache kommt schleppend.
Mir fällt auf, dass er nicht spielen kann, er zerstört nur und bringt das Spiel anderer Kinder durcheinander.

1996 wird seine Schwester geboren, noch am gleichen Tag bin ich wieder mit ihr zu Hause. Er überhäuft sie mit seinem Spielzeug, wenn sie weint ist er sofort bei ihr, legt seinen Mund auf ihren und freut sich wenn sie daran nuckelt und aufhört zu weinen. Keine Spur von Eifersucht. Seine Schwester zeigt erschreckend viele Parallelen, schläft nur kurz, im Kinderwagen gar nicht, im Auto ja, aber wehe der Motor geht aus...dann waren sie wach.

Zu dem Zeitpunkt bekam Patrick seine ersten Schreiattacken, er schrie und schrie und konnte nicht mehr aufhören, bis er einschlief vor Erschöpfung. Das war nach stressigen Tagen oder viel Besuch. Seine Schwester reagierte auch so darauf und so stellten wir Besuche auf einmal ab. Mit zwei Jahren läuft er beim Enten füttern einfach in den Teich und wird mit Kopf nach unten sofort abgetrieben, als ich ihn rausfische ist sein einziger Kommentar "Mama nass!" Mit drei kommt er in den Kiga, ich bitte um regen Austausch, da ich weiß, wie unruhig und aggressiv Patrick zu Hause ist. Angeblich ist Patrick nicht auffällig.

Nach 1,5 Jahren werde ich in den Kiga bestellt, sie wüssten nicht mehr wie sie mit ihm umgehen sollen, wollten die Erziehungsberatungsstelle einschalten. Zu dem Zeitpunkt erfuhr ich dann auch, dass Patrick seit Eintritt in den Kiga auffällig war, die anderen Mütter sich über ihn beschwerten wenn die Kinder zerbissen und mit blauen Flecken nach Hause kamen.

Seine Schwester war auffällig in der Entwicklung, darum bekam sie ein Rezept nach Bobath bei einer Krankengymnastin. Dort sprach ich sie auf die Probleme mit Patrick an und sie empfahl mir die Frühförderstelle. Ich nahm Kontakt auf und hatte endlich das Gefühl, dass mir jemand zuhört. Patrick wurde überprüft und lag weit in der Entwicklung zurück. Ich erhielt die Empfehlung zu einem Kinder- und Jugendpsychater zu gehen. Dann das Gespräch im Kiga mit der EB, ich blockte ab und erklärte meinen eigenen Weg zu gehen, ich hätte endlich jemanden gefunden, der mir zuhörte, die EB wollte auch nur alles auf unsere Erziehung schieben und davon hatte ich die Nase voll. Der Kinderpsychater diagnostizierte eine SI-Störung mit Entwicklungsverzögerung, er wechselte den Kiga für das letzte Jahr und kam in eine integrative Einrichtung, bekam Psychomotorik, doch es wurde nicht gut, ich war nach wie vor die einzige Person, die mit ihm umgehen konnte. Bewegung war bei Patrick immer noch vorherrschend, Toben, Rennen, mit 4 Jahren Inliner fahren und zwar schnell, wie alles andere auch, und immer alles alleine lernen, sich nichts zeigen und beibringen lassen.

Die Erzieherinnen plädierten auf Sonderschule, ich streckte meine Fühler in Richtung ADS mit H aus. Der Kinderpsychiater der die SI-Störung feststellte, sagte mir, dass Patrick da nicht drunter viele, er ließ durchblicken, dass er von ADS nichts hielt und sagte, dass ich mich damit abfinden sollte, dass Patrick nie über Sonderschulen hinauskäme. Ich heulte den ganzen Rückweg und setzte mich dann mit der Kinderklinik in Verbindung, die diagnostizierten eindeutig ADHS und verschrieben Ritalin, im Sommer dann die Einschulung an der normalen Grundschule, ein Klassenlehrer, der sich damit auseinandersetzte und einen guten Kontakt zu Patrick aufbaute und ihn unterstützte.

Unser drittes Kind war völlig anders, schlief fast nur und war kaum ansprechbar, man bekam den Eindruck, dass es nicht in dieser Welt lebte. Sowohl bei ihm als auch bei unserer Tochter wurde ebenfalls eine SI-Störung diagostiziert.

Patrick schaffte es bis ins dritte Schuljahr, Lesen beherrschte er nach nur drei Monaten, seine Schrift lief über alle Linien und Mathe war ihm ein Rätsel. Er hat jetzt die Schule gewechselt, ist auf der E-Schule (Schule für Erziehungshilfe) und zurückgestuft worden. Aber er akzeptiert diese Schule, die Regeln dort schaffen ihm den Rahmen, den er braucht, das Ritalin unterstützt ihn dabei und wir als Familie versuchen ihm zu Hause die Unterstützung zu geben, die er braucht. Das ist nicht immer einfach, Patrick hat drei Geschwister, alle, auch unser Jüngster (2001) mit einer SI-Störung, alle fordern ihre Zeit, alle mit unterschiedlichen Schwerpunkten, und dann weisen sowohl mein Mann als auch ich erschreckend viele Gemeinsamkeiten mit dem ADS-Bild auf, das es manchmal hier zugeht wie in einer Chemiefabrik...immer Explosionsgefahr!!!!!

Aber wir nehmen uns alle wie wir sind, und das schöne ist, dass wir alle auch sofort wieder guter Laune sind und lachen können und keiner von uns nachtragend ist. Das gibt mir dann immer wieder die Kraft weiterzumachen, wenn die nächsten Probleme anstehen und ich für meine Kinder kämpfen muss. Und ganz ehrlich ... die Intolleranz der anderen und ständigen Auseinandersetzungen mit Lehrern, Schulen, Ärzten, Erzieherinnen, Kindergärten und anderen Eltern zermürben mich mehr, als das manchmal chaotische Leben hier mit meinen Kindern und einem noch chaotischerem Ehemann...

Vom Stehaufmännchen

August 2004

                                                                             *alle Namen geändert

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