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ADS - Hyperaktivität

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             Sascha
 

Sascha* unser Energiebündel, ist ein ungeplantes Wunschkind. In der Schwangerschaft gestaltete sich das ganze schon als etwas schwierig. Blutungen vor der 28 SSW und vorzeitige Wehen im 5. Monat, Neigung zu vermehrten Wasseransammlungen im Körper usw.
Trotz allem war ich glücklich ein Kind zu bekommen und ich malte mir das ganze in rosa Farben aus.

Die Geburt an sich war auch sehr anstrengend. Alles ging viel zu schnell und die Wehen folgten von Anfang an, viel zu dicht aufeinander. Die gesamte Geburt dauerte 8 Stunden.

Als er endlich auf der Welt war, gab er kein Geschrei von sich. Mein Mann sagte mir später, dass er völlig blau war und die Narbelschnur um seinen Hals gewickelt war. Die Lernhebamme, die bei der Geburt anwesend war, stand weinend in der Ecke. Man hob ihn hoch und schlug ihm auf den Hintern, dann endlich der erste Schrei, ich war total erleichtert. Er wurde untersucht und man legte mir einen 51 cm großen und 4110g schweren Jungen auf die Brust. Wir waren überglücklich.

Schon in der ersten Nacht in der Klinik sorgte er dafür, dass es der Lernhebamme nicht langweilig wurde. Als sie ihn mir am nächsten Morgen brachte, erwähnte sie, dass sie ihn fast die ganze Nacht getragen hätte, da er ständig weinte. Ich sah sie etwas ungläubig an, sagte aber nichts.

Wir gingen noch am selben Abend nach Hause. Da meine Mutter in den ersten Tagen noch da war, war ich etwas entlastet. Bei der Geburt hatte ich ziemlich viel Blut verloren und ich war geschwächter als ich zuerst annahm.

In der ersten Zeit, lief alles noch einigermaßen gut, er schrie sehr viel wenn er wach war, aber zu Anfang schlief er noch einigermaßen regelmäßig.

Mit acht Wochen hatte er eine beidseitige Lungenentzündung und musste für 14 Tage ins Krankenhaus. Danach wurde es sehr schwierig. Er schlief sehr wenig, wachte alle zwei Stunden auf und schrie. Die Nahrung verweigerte er fast ganz. Der Kinderarzt meinte, dass dies wohl ein Trauma von der Klinik sei, und sich das wieder legen würde. Tat es aber nicht.

Im Alter von 3 Monaten brauchte Sascha keinen Mittagsschlaf mehr. Er wachte in der Nacht alle 2 Stunden auf und schrie wie am Spieß. Ich versuchte alles, Füttern, wickeln, tragen usw.. Oftmals schlief er ein, während ich ihn trug und so bald ich ihn hinlegte schrie er wieder wie am Spieß.

Wir trösteten uns immer wieder damit, dass dies besser würde wenn, er ersteinmal krabbeln, laufen und sprechen würde. Mit 8 Monaten begann er zu krabbeln und mit 11 Monaten lief er.

Es wurde anders, aber nicht unbedingt besser. Jetzt räumte er alles aus und war unermüdlich in seiner Bewegung. Er konnte sich mit nichts länger beschäftigen, war häufig unzufrieden und wollte, dass man sich ständig mit ihm befasste. Wenn ich damit beschäftigt war, irgendetwas im Haushalt zu tun, musste er immer unmittelbar in meiner Nähe sein, wenn nicht sogar auf meinem Arm. Wenn ich den Raum verließ fing er an zu weinen.

Der Schlafrhythmus hatte sich in dieser Zeit nicht wesentlich verändert. Sascha brauchte höchstens 6-8 Stunden Schlaf und wachte immer noch alle 2 Stunden auf.

Was mir zudem noch auffiel war, dass wenn man ihn aus weiterer Entfernung rief, er einfach nicht reagierte. Auf meine Frage hin, ob er denn gut höre, meinte der Kinderarzt nach der U-Untersuchung, er hört sie, er will bloß nicht. Ich vertraute ihm. Da Sascha mit 1 1/2 Jahren immer noch nicht sprach, gingen wir zum HNO-Arzt, der stellte eine Flüssigkeitsansammlung hinter den Trommelfellen fest, die deshalb nicht schwingen konnten. Mein Kind hörte also nur ganz dumpf.

Was nun folgte waren mehrer Operationen, Einsetzten von Paukenröhrchen, Entfernung der Mandeln und Polyphen. Alles im Zeitraum von ca. 2 Jahren. Zeitweilig wurde sein Verhalten dann besser. Die Sprachentwicklung setzte nun sehr rasch ein und er machte sehr große Fortschritte. Er redete nun ständig, alles was er tat oder auch nicht, wurde sprachlich kommentiert und er verwickelte einem in ständige Diskussionen, bis heute.

Im Alter von 2 Jahren schlief Sascha das erste mal durch. Ich war so überrascht, dass ich in sein Zimmer ging und nach sah, ob er noch atmete.

Mit 2 3/4 Jahren kam er in den Kindergarten und ich konnte wieder zurück in den Beruf als Kinderpflegerin (Kindergarten, wir besuchen beide die selbe Einrichtung) was mir sehr gut tat. In der Zeit in der ich zu Hause war, sind wir sehr eng zusammengewachsen, durch die vielen Schwierigkeiten, die sich dann aber ergaben wurde unsere Beziehung schwieriger und ich war froh als ich etwas Abstand hatte.

Im Kiga fiel auf, dass er oft nicht reagierte, wenn man ihn ansprach und dass er Probleme mit dem Gleichgewicht hatte. Sascha bekam nun Ergotherapie. Er war auch ein Kind, das nicht gerne malte oder Spiele spielte, die feinmotorische Fähigkeiten von ihm verlangten. Überhaupt spielte er am liebsten auf dem Boden bzw. auf dem Bauteppich und in der Puppenecke, dort konnte er seine ganze Phantasie ausleben.

Durch die Therapie wurde er zunehmend sicherer und er begann auch Freude beim Malen und Basteln zu entwickeln, solange er frei nach seinen Vorstellungen arbeiten konnte. Mit direkten Anweisungen von außen hatte er zunehmend Schwierigkeiten.

Trotz allem blieb seine motorische Unruhe, die man immer als lebhaft abtat. Zum erstenmal machte ich mir Gedanken über Hyperaktivität, verwarf sie aber gleich wieder. Nach Gesprächen mit seinen Erzieherinnen verblieben wir so, dass er wohl einen erhöhten Nachholbedarf hatte. War mir auch recht, wer will schon ein hyperaktives Kind.

Zu Hause wurde Sascha jedoch immer auffälliger, er hatte extreme Schwankungen zwischen gut gelaunt und euphorisch und zu Tode betrübt. Er wurde aufsässig und teilweise aggressiv gegen mich.

Bald wusste ich mir nicht mehr zu helfen und war fix und fertig. Im Kiga fiel er weniger auf, er befand sich in einer Gruppe mit 15 Kindern im Alter von 20 Monaten bis 6 Jahren (davon 7 Kinder unter 3 Jahren), da konnte er sich gut durchmogeln.

Ich ging zu seiner Ergotherapeutin und sprach mit ihr über meinen Verdacht, sie sagte sie werde darauf achten. Erst wurde ich auch von ihr wieder vertröstet, aber ich wollte nicht so einfach aufgeben.

Mit seinen Gruppenerzieherinnen folgte ein bitterer Kampf:
Ich fühlte mich nicht ernst genommen. Man unterstellte mir Erziehungsunfähigkeit, mangelnde Aufmerksamkeit und Gefühlskälte meinem Kind gegenüber. Ich war zutiefst verletzt und enttäuscht von ihnen. Im Laufe von fast 3 Jahren wurde dann ADS+H diagnostiziert und über Nacht haben dann auch seine Erzieherinnen festgestellt, dass er an manchen Tagen je nach Verfassung unkonzentriert, aufgedreht und motorisch sehr unruhig ist.

In der Therapie wurde festgehalten, dass es anfangs eben auch je nach Tagesform in der 1:1 Situation sehr gut läuft, seine motorische Unruhe und seine mangelnde Konzentration die Therapie aber erschweren. Im motorischen Bereich hat Sascha aber trotz allem sehr große Fortschritte gemacht, was ich bestätigen kann.

Derzeit leidet er mehr an extremen Stimmungsschwankungen, was mich teilweise sehr verunsichert. In Zusammenarbeit mit den Therapeuten (Sascha macht zur Zeit Logopädie, da der “Sch-Laut” ihm Schwierigkeiten bereitet) und dem Kinderarzt der FFZ haben wir uns entschlossen eine medikamentöse Therapie mit Ritalin zu versuchen. Sascha ist mittlerweile fast 6 Jahre alt und wird nächstes Jahr eingeschult. Ich hoffe, dass wir ihm den Start mit Hilfe von Ritalin etwas erleichtern können, da er aufgrund seiner anderen Art schon einige Ausgrenzungen erfahren hat.
Zudem möchte ich noch erwähnen, dass er ein geringes Selbstwertgefühl und eine niedrige Frustrationstoleranz hat. Bei Nichtgelingen einer Aufgabe wird er sofort ausfallend und bekommt einen Weinanfall. Früher reagierte er mit totaler Verweigerung der Sache und bekam einen Wutanfall. Wenn man da ungünstig in der Nähe stand, konnte es schon passieren, dass man etwas abbekam.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass es mit dem Wissen um ADS nicht einfacher geworden ist - wir haben alles verschlungen was es zu diesem Thema auf dem Markt gibt und hatten sehr viele “Aha - Erlebnisse” - aber anders.

Durch das beschäftigen mit der Materie wurde uns vieles klar. Verstehen konnte ich ihn eigentlich schon immer gut, da er mir in vielem ähnlich ist, nur helfen konnte ich nicht richtig. Mein Mann entdeckte auch viele Gemeinsamkeiten mit seinem Sohn und durch genaueres Hinterfragen unserer eigenen Kindheit, sind wir zu dem Entschluss gekommen, das er eine gesunde Mischung aus uns beiden ist. Mal impulsiv und explosiv, mal ruhig und depressiv. Das sind alles Eigenschaften die Mama und Papa auch haben.

Ich habe diesen Bericht geschrieben, da ich der Ansicht bin, dass man ADS nicht früh genung erkennen und den Kindern somit helfen kann. Selbst bei genauem Hinschauen und hinterfragen kann es lange Zeit dauern bis man eine eindeutige Diagnose bekommt. Bei uns wurde immer der Verdacht geäußert, entgültig bestätigt aber erst vor ca. 4 Wochen.

Nicht jedes lebhafte Kind ist hyperaktiv, aber man sollte selbst bei Kindergartenkindern schon darüber nachdenken.

Besonders wichtig war für mich auch zu erfahren, über die Gespräche mit einer Psychologin vom FFZ und einem Psychologen von der Erziehungsberatungsstelle, dass es nicht an unserer Erziehung liegt, denn die Selbstzweifel und die Selbstvorwürfe können alles zermürben. Stellenweise stand die Beziehung zu meinem Sohn und zu meinem Mann sehr auf der Kippe, obwohl mein Mann mich immer in allem unterstützt und bestätigt hat, in dem was ich für meinen Sohn tat.

Aber anstatt ihm zu glauben, schenkte ich den anderen Glauben und zermürbte mich selbst damit, bis zum Zusammenbruch, da ich auch nur ein Mensch bin.

Heute weiß ich vieles besser und trotz allen Schwierigkeiten möchte ich meinen Sohn nicht missen.

Ich liebe ihn unendlich, denn er hat auch sehr viele positive Seiten. Er ist sehr liebevoll, kreativ, phantasievoll, manchmal überschäumend vor Glück, zärtlich und nicht nachtragend.

Er hat unser Leben um vieles bereichtert und es gibt nichts schöneres als sein glückliches Lachen zu hören, seine großen Augen leuchten zu sehen oder ein “Mama ich hab dich lieb” zu hören.

Eine liebende und trotz allem glückliche Mutter.

                                                       * alle Namen geändert

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