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Was ist das eigentlich:
Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität?
20 Häufig gestellte Fragen

1. Kapitel aus: Aufmerksamkeitsgestörte , hyperaktive Kinder und Jugendliche im Unterricht
Auer-Verlag 1999

1 Was ist eigentlich Hyperaktivität?

2 Wie zeigt sich das Syndrom Aufmerksamkeitssstörung in der Schule?

3 Wie sieht das Leistungsverhalten der Kinder und Jugendlichen aus?

4 Ist die Intelligenz der Kinder beeinträchtigt?

5 Wie sind die Kinder und Jugendlichen sozial eingebunden?

6 Welche Ursachen liegen der Störung zugrunde?

7 Sind Mädchen und Jungen gleichermaßen von der Störung betroffen?

8 Wie häufig kommt das Syndrom der Aufmerksamkeitsstörung vor?

9 Welche Erscheinungsformen sind bisher bekannt?

10 Sind hyperaktive Kinder häufig aggressiv?

11 Gibt es das Problem der Aufmerksamkeitsstörung in allen Altersgruppen?

12 Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass ein Kind aufmerksamkeitsgestört ist?

13 Wer stellt die Diagnose?

14 Was kann ich als Lehrer zur Diagnostik beitragen?

15 Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

16 Ist eine medikamentöse Therapie gefährlich?

17 Was müssen Lehrkräfte berücksichtigen, wenn sie wissen, dass ein Kind therapiert wird?

18 Welche weiterführenden Schulen kommen für diese Kinder in Betracht?

19 Welche Hilfen stehen für die Berufswahl zur Verfügung?

20 Können die Störungen vollkommen beseitigt werden?

 

1 Was ist eigentlich Hyperaktivität?

Hyperaktivität und das Hyperkinetische Syndrom sind medizinische Krankheitsbegriffe. Diese Namen führen allerdings in die Irre. Es handelt sich vielmehr um eine Störung der Aufmerksamkeit mit überschießender Impulsivität und oft extremer Unruhe.

Als Folge findet man verstärktes Störverhalten, unsystematische und langsame Aufgabenlösung, Ablenkbarkeit und geringe Frustrationstoleranz. Nicht jedes ,,hyperaktive" Kind muss dauernd zappeln, aber alle Kinder fallen aus dem Rahmen sowohl in der Schule als auch im häuslichen Umfeld. Meist ist ihr Verhalten störend und bereitet Eltern, Erziehern und nicht zuletzt den Kindern und Jugendlichen selbst erhebliche Schwierigkeiten.

Es gibt verschiedene Bezeichnungen für diese Störung:
— Minimale cerebrale Dysfunktion (MCD) war früher die häufigste Bezeichnung. Inzwischen hat sich in Deutschland die Bezeichnung Hyperkinetisches Syndrom durchgesetzt. [...]
Die derzeit gültigen Bezeichnungen, die auch in den USA und bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gebräuchlich sind, lauten:
— Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS),
— Aufmerksamkeitsstörung mit/ohne Hyperaktivität (ADHD ± ; aus dem Englischen: attention deficit hyperactivity disorder).
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2 Wie zeigt sich das Syndrom Aufmerksamkeitsstörung in der Schule?

Allgemeine Kennzeichen dieser Kinder sind:
— Unruhe/Hyperaktivität/Impulsivität:
macht ständig ungezielte Bewegungen, hat Probleme stillzusitzen, zu warten und sich zu melden, spricht ununterbrochen, macht Geräusche,

— Aufmerksamkeitsstörung:
ist leicht ablenkbar, hört Anweisungen nur halb, hat Schwierigkeiten aufmerksam zu bleiben, springt von einer Aktivität zur anderen, führt nichts zu Ende, spielt selten still, hört oft nicht zu, verliert Dinge, sieht Gefahren nicht,

— Selbststimulierung:
kratzt sich, nestelt in den Haaren, bohrt in der Nase, beklopft sich, bewegt sich hektisch und unkoordiniert, fasst alles an,

— Steuerungs- und Koordinationsschwäche:
hat häufig gestörte Feinmotorik, schlechtes Schriftbild, zeigt unrhythmische Bewegungen, unkontrollierter Krafteinsatz,

— störendes Sozialverhalten:
unterbricht andere, spricht oder schreit hinein, wartet nicht, bis es an der Reihe ist, handelt, bevor es die Anweisung genau gehört und verstanden hat, provoziert durch ständiges Sprechen und Ärgern, äußert sich oft unabsichtlich aggressiv und beleidigend, ohne vorher zu überlegen
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3 Wie sieht das Leistungsverhalten der Kinder und Jugendlichen aus?

Wenn gerade die Motivation für eine Aufgabe vorhanden ist, können die Kinder und Jugendlichen ausgezeichnete Leistungen erbringen. Aufgrund der kurzen Aufmerksamkeitsspanne tun sie sich jedoch schwer mit Aufgaben, die einen längeren zeitlichen Rahmen beanspruchen. Insbesondere solche Aufgaben, bei denen viel Information im aktuellen Arbeitsgedächtnis zu behalten ist, gelingen nicht so gut. Typisch ist auch ein Absacken des Leistungsbildes im Laufe einer längeren Aufgabe oder am späten Vormittag. Schwierig für diese Kinder sind eigenständige Kontrollschritte, z. B. Lösungen nochmals zu überprüfen. Dazu müssen die Kinder direkt und konkret angehalten werden.

Das Arbeitsverhalten unterliegt zudem starken Schwankungen: Einmal liefert das Kind eine brauchbare Arbeit ab und versagt bei einer vergleichbaren Aufgabenstellung beim nächsten Mal. Diese Beobachtungen können zu dem falschen Schluss verleiten: ,,Er/sie kann doch, wenn er/sie will!"

Auch in der Motivation und Anstrengungsbereitschaft ist mit starken Schwankungen zu rechnen. Misserfolge schwächen die Motivation zusätzlich, so dass bestimmte Aufgaben gemieden werden. Dieses Phänomen ist auf Mängel in der Fähigkeit, sich selbst zu steuern und mit Frustrationen umzugehen, zurückzuführen.

Zusätzlich zur Aufmerksamkeitsstörung liegen häufig weitere Teilleistungsstörungen vor. Hier sind insbesondere Störungen der visuellen oder akustischen Wahrnehmungsdifferenzierung und der Steuerung der Feinmotorik zu nennen. Die Folge sind Schwierigkeiten in der Graphomotorik, was sich in einem unregelmäßigen, schlechten Schriftbild äußert. Besonders schwerwiegend sind Lese-Rechtschreib-Schwäche und Rechenschwäche, insbesondere wenn sie kombiniert auftreten.

Eine Stärke dieser Kinder ist oftmals ihre Kreativität und die Fähigkeit, originelle Lösungen zu produzieren. Sie fallen auf durch fantastische Geschichten (die gelegentlich als Lügen interpretiert werden), besonders blumige Aufsätze (leider oft kaum lesbar), technische Konstruktionen (die meist nicht fertig werden) und eine besondere Farbwahl. Viele haben einen besonderen Sprachwitz (der allerdings zur Unzeit stört), sie können Situationen treffend charakterisieren (und da sie damit ungesteuert herausplatzen, für Peinlichkeiten sorgen), sie können musisch begabt sein (aber sind nicht zum Üben zu bewegen) und spielen überzeugend Theater (wenn sie es schaffen, pünktlich zu sein und sich an die Rolle zu halten).

Diese Art der Kreativität wird allerdings von Lehrerinnen und Lehrern oder von Klassenkameraden nicht immer geschätzt, weil sie oft deren Erwartungen und Vorstellungen nicht entsprechen (bei diesen Kindern muss alles immer anders, extravagant sein).
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4 Ist die Intelligenz dieser Kinder beeinträchtigt?

Die Spannbreite der Begabungen dieser Kinder und Jugendlichen entspricht der von Kindern ohne Aufmerksamkeitsstörungen. Meistens können sie jedoch wegen der oben genannten Beeinträchtigungen ihr Leistungspotential nicht ausschöpfen und erzielen deshalb nicht die eigentlich möglichen bzw. geforderten Leistungen.
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5 Wie sind die Kinder und Jugendlichen in der Schule sozial eingebunden?

Aufmerksamkeitsgestörte, hyperaktive Kinder und Jugendliche nehmen schnell Kontakt zu anderen Menschen auf, gehen gezielt auf Neue und Neues zu und überzeugen durch Charme, Witz und Unkonventionalität. Fremde sind von ihnen auf den ersten Blick angetan.

Schnell aber nerven sie die anderen mit ihrem übermäßigen und totalen Anspruch, ihrer Unmäßigkeit im Geben und Nehmen. Ihre Sprunghaftigkeit verunsichert und die fehlende Einsicht von Spielregeln zerstört beginnende Freundschaften schnell. Sie erkennen oft nonverbale Signale und Körpersprache nicht und reagieren nicht entsprechend, was bei den anderen Kindern zu Irritationen führen kann. Sie wollen stets der "Chef” sein. So schnell wie ihre Neigungen wechseln manchmal auch die Zuneigungen und sie sind nicht in der Lage Freundschaften zu pflegen und zu erhalten.

Durch Clownverhalten und fehlende Anpassung werden die meisten schnell zu Außenseitern. Wenn dann noch Leistungsversagen und Ablehnung durch den Lehrer hinzukommen, finden sie keinen Rückhalt in der Klassengemeinschaft und werden isoliert.

Diese Kinder und Jugendlichen sind extrem abhängig von persönlichen Beziehun gen. Sie suchen häufig eine Person zum Anlehnen und als Führer - das kann auch die Lehrerin oder der Lehrer sein. Dadurch erscheinen sie besonders anspruchsvoll und binden Aufmerksamkeit und viel Zeit der Lehrkräfte. Sie beanspruchen diese auch emotional sehr stark: Bei Zuneigung und gutem Verhältnis suchen sie immer wieder Nähe, Extragespräche und besondere Zuwendung. Bei Abneigung provozieren und fordern sie die Lehrer ständig heraus.

Dies geschieht oft gar nicht absichtlich, aber ihr Verhalten wirkt immer auffällig und extrem, da sie keine Anpassung kennen. Sie leiden unter der Zurechtweisung kurz und heftig oder aber überhaupt nicht, weil sie diese gar nicht registrieren. Nachtragend sind sie jedoch nie. Die Beziehung ist sowohl im positiven wie auch negativen Sinn immer sehr intensiv und höchst emotional.
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6 Welche Ursachen liegen dieser Störung zugrunde?

Die Ursachen für Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität sind wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt. Mit Sicherheit handelt es sich jedoch nicht um die Folge falscher Erziehung, sondern um eine angeborene, selten erworbene, meist genetisch bedingte Störung der Selbstkontrolle. Gegenwärtig werden mehrere Faktoren diskutiert, die zusammenwirken können (vgl. Teil 3 Kapitel 1). [...]
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7 Sind Mädchen und Jungen gleichermaßen von der Störung betroffen?

In der Literatur wird stets darauf verwiesen, dass Hyperaktivität häufiger bei Jungen vorkommt. Auf ein hyperaktives Mädchen kommen drei bis sechs Jungen. Allerdings kommt diese Quote auch dadurch zustande, weil Mädchen seltener wirklich hyperaktiv (zappelig) sind und die reine Aufmerksamkeitsstörung an sich schwer zu diagnostizieren ist. Die Aufmerksamkeitsstörung bei Mädchen ist selten mit überschießender motorischer Unruhe verbunden. Von daher fallen Mädchen weniger auf und kommen seltener in Beratung und Therapie (vgl. Nadeau 1996; Friedmann 1996).
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8 Wie häufig kommt das Syndrom der Aufmerksamkeitsstörung vor?

Untersuchungen über die Häufigkeit von Aufmerksamkeitsstörungen berichten zumeist, dass zwischen drei und zehn Prozent aller Kinder davon betroffen sind, im Schnitt ca. fünf Prozent (vgl. Heiduk & Trott 1998). Die Prozentsätze unterscheiden sich geringfügig, je nachdem wie die Untersuchungsstichprobe erhoben wurde, bzw. welche Definition von Aufmerksamkeitsstörung zugrunde gelegt wurde. Bemerkenswert ist jedoch, dass in verschiedenen Ländern vergleichbar hohe Quoten gefunden wurden. Die Zahl der aufmerksamkeitsgestörten, hyperaktiven Kinder ist auf jeden Fall so hoch, dass es wohl kaum eine Schulklasse ohne mindestens ein betroffenes Kind gibt.

Die Aufmerksamkeitsstörung ist auch keine moderne Zivilisationskrankheit. Erste, zwar anekdotische, aber dennoch deutliche Beschreibungen finden sich im Struwwelpeter (1848) von Heinrich Hoffmann (Nervenarzt in Frankfurt). Ein deutscher Badearzt - Scherpif - lieferte 1888 eine gute Beschreibung unter dem Begriff ,,das impulsive Irresein als häufigste Seelenstörung im Kindesalter”. Still, ein englischer Kinderarzt, beschrieb 1902 in drei Vorlesungen einen Defekt in der moralischen Kontrolle bei Kindern (,,defect of moral control in children"). Es handelt sich bei dieser Störung auch keineswegs nur um ein Erscheinungsbild in unseren westlichen Ländern, vielmehr wird weltweit über dieses Problem geforscht, geschrieben und über Hilfen nachgedacht.
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9 Welche Erscheinungsformen sind bisher bekannt?

Dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-IV) zufolge gibt es drei Untergruppen der Störung:

a) vorwiegend hyperaktiv-impulsiv: ,,Zappler" (im Video Emanuel),

b) vorwiegend aufmerksamkeitsgestört: ,,Träumer" oder auch ,,Mädchen-Typ" (im Video Franz),

c) Misch-Typ: aufmerksamkeitsgestört und hyperaktiv (im Video Alexander).

Alle drei Gruppen entwickeln soziale Störungen als Folge ihrer Probleme. Bei manchen Kindern besteht zusätzlich ein oppositionelles und/oder dissoziales Verhalten*4, das sich im Widersetzen gegen jede Führung zeigt (im Video Sascha) und in der Kombination mit Hyperaktivität zu erheblichen Aggressionen führt.

*4 EngI. Conduct Disorder
Außerhalb der Schule ist es eher möglich, den Kontext so zu verändern, dass man leichter mit den Schwierigkeiten umgehen kann. Durch eine entsprechende Berufswahl und/oder geeignete Freizeitgestaltung können Konfrontationen mit anderen zum Teil vermieden werden (vgl. Teil 3 Kapitel 1).
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10 Sind hyperaktive Kinder häufig aggressiv?

Hyperaktive Kinder erscheinen durch ihr impulsives Verhalten häufig aggressiv. Auf kleine Irritationen reagieren sie oft mit einer Überschussreaktion, die von Gleichaltrigen oder Erwachsenen nicht verstanden und daher als aggressives Verhalten eingestuft wird. Auslöser dieser Überreaktionen sind z. T. Störungen aus dem Bereich der Wahrnehmung. Häufig haben die Kinder Schwierigkeiten, Mimik und Gestik von anderen Personen angemessen zu interpretieren, sie fühlen sich schnell bedroht und provoziert und schießen mit ihrer Reaktion über das Ziel hinaus.

Aggressive Verhaltensweisen entstehen möglicherweise aber auch aus den ständigen Frustrationen heraus, die die Kinder in allen möglichen Bereichen erleben: Sie sehen, dass sie im Leistungsbereich mit den anderen nicht mithalten können, sie werden selten gelobt, aber ständig kritisiert, sie trauen sich nichts zu, manche sind sprachlich weniger geschickt. So finden sie in aggressiven Verhaltensweisen die beste Möglichkeit, sich durchzusetzen und auf sich aufmerksam zu machen.
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11 Gibt es das Problem der Aufmerksamkeitsstörung in allen Altersgruppen?

In der Tat ist das Problem der Aufmerksamkeitsstörung in allen Altersgruppen anzutreffen. Die Ansicht, dass sich Aufmerksamkeitsstörungen im Laufe der Pubertät ,,auswachsen”, ist in den meisten Fällen falsch. Es verschieben sich jedoch oft die Erscheinungsweisen. In der Pubertät verliert sich die überschießende Motorik meist und macht einer gewissen Passivität Platz. Auch bei jungen Erwachsenen bleibt das Problem bestehen.

Allerdings sind Kinder und Jugendliche durch Aufmerksamkeitsstörungen am meisten beeinträchtigt, solange sie in die Schule gehen und dort mit relativ starren und restriktiven Anforderungen konfrontiert werden.
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12 Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass ein Kind aufmerksamkeitsgestört ist?

Wenn der Verdacht aufkommt, dass ein Kind aufmerksamkeitsgestört, hyperaktiv sein könnte, sind folgende Schritte sinnvoll:

— differenzierte Beobachtung und Beschreibung des Verhaltens (Gibt es aktuell kritische Ereignisse, die Ursache des Verhaltens sein können? Wann treten die Aufmerksamkeitsstörungen auf, zu welcher Tageszeit, an welchen Wochentagen, in welchen Unterrichtsfächern, bei welchen Unterrichtsformen oder Personen?),

— Aufzeichnung dieser Beobachtungen, um mögliche Veränderungen oder Verläufe zu dokumentieren,

— Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, um bereits vorliegende Informationen zu erhalten,

— Kontakt zu den Eltern, um herauszufinden, oh die Probleme des Kindes auch zu Hause auftreten oder sich auf die Schule beschränken,

— die Eltern fragen, ob sie eine Erklärung für das Verhalten ihres Kindes haben. [...]
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13 Wer stellt die Diagnose?

Die sachgerechte Diagnose über eine Aufmerksamkeitsstörung liegt in der Verantwortung von Fachleuten: Kinderärzten, Kinder- und Jugendpsychiatern in Zusammenarbeit mit Psychologen.

Damit wird die Verantwortung der Schule für das Kind nicht nach außen abgeschoben, vielmehr erwächst die Notwendigkeit - zum Wohle des Kindes und der eigenen Absicherung - mit diesen Fachleuten zu kooperieren.
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14 Was kann ich als Lehrer zur Diagnostik beitragen?

Die Beobachtungen der Lehrerin und des Lehrers können Anlass zu einer Untersuchung des Kindes sein. Darüber hinaus können Lehrerinnen und Lehrer wichtige zusätzliche Hinweise über die Ausprägung der Symptomatik geben. Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen zeigen in einer Untersuchungs- oder Testsituation, in der sie mit einem Berater allein sind, die Verhaltensauffälligkeiten meist nicht in dem Maße, wie sie tagtäglich in der Schule zu beobachten sind.

Häufig sind sie sogar in der Testsituation ausgesprochen gut: ,,Da hat sich heute eine Frau zwei Stunden ganz allein mit mir beschäftigt und Spiele gemacht. Das hat richtig Spaß gemacht.” Zur Information für den diagnostizierenden Arzt oder Psychologen ist neben dem Gespräch auch eine möglichst differenzierte Aufzeichnung über das Verhalten hilfreich, ebenso wie die Bearbeitung eines dafür vorgesehenen Beobachtungsbogens (vgl. Anhang 1).

Die Beobachtungen in der Schule dienen schließlich auch der Überprüfung der Wirksamkeit von therapeutischen Maßnahmen. Alle Interventionen, sei es durch Medikamente oder psychotherapeutische Verfahren, sollen ja zu einer Verbesserung der Situation in der Schule führen. Ohne die Hilfe der beteiligten Lehrkräfte lässt sich ein Therapieerfolg nicht einschätzen.
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15 Welche Therapiemöglicbkeiten gibt es?

Abhängig von Umfang und Erscheinungsbild der Störung kommen medizinische und psychologische Therapien und Interventionen infrage (vgl. Teil 3 Kapitel 2).Wo die einzelne Therapie ansetzt, muss individuell entschieden werden: Es kann beim Kind, bei den Eltern oder in der Schule sein. In den meisten Fällen wird es auf die Zusammenarbeit aller Beteiligten ankommen. Bei der Frage nach der Therapie spielen auch äußere Umstände eine Rolle, z. B. die Verfügbarkeit von Therapeuten vor Ort, die Entfernungen zu einschlägigen Einrichtungen.
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16 Ist eine medikamentöse Therapie gefährlich?

Nach sorgfältiger Diagnosestellung und genauer Aufklärung der Betreuenden ist die medikamentöse Therapie zuverlässig, sicher, sehr wirksam und ungefährlich. Die Nebenwirkungen sind gering und bei der Schwere der Störung zu vernachlässigen. Langzeitnebenwirkungen oder Abhängigkeiten sind nicht bekannt.

Die besten Erfolge erzielt eine medikamentöse Therapie, wenn sie in ein Gesamtbehandlungskonzept eingebettet ist (vgl. Teil 3 Kapitel 3).

Die Dauer der Therapie ist abhängig vom Ausmaß der Störung und dem Entwicklungsgang des Kindes und Jugendlichen. Bei guter Unterstützung und günstigern Verlauf kommen viele Betroffene später ohne eine weitere medizinische Hilfe aus. Ein kleinerer Anteil benötigt auch im Adoleszenzalter und wie man heute weiß, auch im Erwachsenenalter weiterhin medizinische und medikamentöse Betreuung.
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17 Was müssen Lehrkräfte berücksichtigen, wenn sie wissen, dass ein Kind therapiert wird?

In der Regel ist die therapeutische Behandlung eines Kindes kein öffentliches Thema. Lehrkräfte unterliegen hier der Schweigepflicht. Es versteht sich von selbst, dass die Kinder nicht vor anderen bloßgestellt werden dürfen. Ebenso sind Kommentare. die sich auf die Therapie beziehen, zu vermeiden. Für Lehrerinnen und Lehrer sind folgende Punkte wichtig:

— enge Kooperation mit den Eltern (Vertrauensverhältnis aufbauen),

— Einwilligung der Eltern einholen, um mit Therapeuten Kontakt aufnehmen zu dürfen (diese Absprachen müssen schriftlich erfolgen und zu den Akten genommen werden; Datenschutz!),

— eventuelle Thematisierung der therapeutischen Behandlung in der Klasse, z. B. vor Klassenfahrten oder wenn das Kind sich an eine bestimmte Diät halten muss (hierüber muss zuvor auch mit dem betroffenen Kind eine Einigung erzielt werden),

— regelmäßige Medikamenteneinnahme unterstützen, wenn dies erforderlich ist.
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18 Welche weiterführende Schule kommt für diese Kinder in Betracht?

Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen können jede Schulart wählen, die ihrer Begabung entspricht. Die Symptome treten unabhängig von der Schulart auf, d. h. eine Schulart, die weniger fordert, auszuwählen, bringt keine Erleichterung.

Wichtig ist vielmehr, dass das Kind und seine Lehrerinnen und Lehrer geeignete Strategien erwerben, um mit den Aufmerksamkeitsstörungen so umzugehen, dass Lernen dennoch möglich wird. Für jede Schule ist die Anwesenheit dieser Kinder allerdings eine Herausforderung, die pädagogisch bewältigt werden muss.
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19 Welche Hilfen stehen für die Berufswahl zur Verfügung?

Grundsätzlich können aufmerksamkeitsgestörte, hyperaktive Jugendliche jeden Beruf ergreifen, für den sie sich interessieren und für den sie die schulischen Voraussetzungen mitbringen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Ausbildungsstelle bereit ist, Hilfen zu gewähren und Geduld und Nachsicht zu üben.

Aufgabenstellung und Anleitung müssen deutlich und öfter als üblich erfolgen, selbstständige Strukturierung. Zeiteinteilung und Organisation dürfen nicht erwartet werden. Oft ist eine umfangreiche Anleitung notwendig, und insbesondere zusätzliche Hilfen für die theoretische Lernarbeit.

Häufig sind handwerkliche Berufe günstig, viele Betroffene haben auch gute verkäuferische Fähigkeiten. Sie sind häufig sehr kreafiv und können im Bereich Design, Werbung und Präsentation erfolgreich sein. Reine Schreibtisch-, Verwaltungs- und Ordnungsaufgaben erscheinen dagegen weniger geeignet.

Es gibt inzwischen eine Reihe von Hilfen, die den Einstieg in den Beruf erleichtern. In den Arbeitsämtern sind Rehabilitationsberater auf die Beratung und Vermittlung von Jugendlichen mit besonderen Problemen spezialisiert, außerdem können manche Spezialambulanzen der Kliniken weitere Informationen erteilen (vgl. Teil 3 Kapitel 1.2).
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20 Können die Störungen völlig beseitigt werden?

Aufmerksamkeitsstörungen mit oder ohne Hyperaktivität sind nach heutigem Wissensstand nicht heilbar. Das Erscheinungsbild und die Ausprägungen ändern sich jedoch im Laufe der Entwicklung. Umwelt und Schule können dem Kind und Jugendlichen helfen, das Leben zu meistern und zu organisieren und die vorhandenen Fähigkeiten zu fördern. Die Schule kann dazu beitragen, Selbstständigkeit zu entwickeln, auf Gefahren des Lebens vorbereiten und präventiv arbeiten (Suchtproblematik).

In der Vergangenheit war man der Ansicht, dass sich die Störungen nach der Pubertät geben. Das Problem ,,Hyperaktivität” wird kleiner und verschwindet oft, Aufmerksamkeitsstörung, Motivationsschwäche, mangelnde Ausdauer dagegen bleiben meist weiter bestehen. Das Problem der sozialen Anpassung macht für viele das Leben ausgesprochen schwierig. Heute geht man davon aus, dass Aufmerksamkeitsstörung (ADD und ADHD) eine Krankheit ist, die es auch im Erwachsenenalter gibt.
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Zitate aus dem Buch:

 

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